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Ottmar Fuchs

Konzilseröffnung vor 60 Jahren: Was wir nicht gelernt haben!

Veröffentlichung:1.5.2026

Ein Priester reflektiert kritisch auf sein progressives Engagement nach dem II. Vatikanum und lernt durch Hans Küng und einen Roman, dass echte konziliare Freiheit auch Pluralität und Toleranz gegenüber Traditionalisten einschließen muss.

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Der Autor, als junger Theologe begeistert vom II. Vatikanum, vertretete progressive Positionen mit großem Nachdruck. Doch Jahre später erkennt er eine kritische Lücke: Während das Konzil Dialog mit anderen Religionen und religiöse Freiheit nach außen forderte, fehlte eine explizite Dialogvorstellung für innerkirchliche Gegensätze. Der progressive Flügel, zu dem der Autor gehörte, marginalisierte diejenigen, die den konziliaren Kurs nicht mittrugen, statt sie zu schützen – entgegen Hans Küngs Mahnung von 1968, dass „Progressive" die „Konservativen" verteidigen sollten, wo sie verketzert werden. Der Autor erkennt in seiner eigenen Praxis das Problem: Er predigte progressiv, aber imperativisch und gnadenlos, wobei er die primäre Botschaft der Gnade (Indikativ) zugunsten moralischer Forderungen (Imperativ) vernachlässigte. Parallel marginalisierte man kirchliche Gemeinschaften, die sich dem vatikanischen Mainstream widersetzten – eine Abdrängung, die später zum „roll back" und konservativen Widerstand gegen das Konzil beitrug. Das entscheidende Leseerlebnis war Brian Moores Roman „Insel des Glaubens" (1972), der einen modernen vatikanischen Gesandten gegen traditionstreue Mönche stellt. Beim Lesen wendete sich die Sympathie des Autors: Er erkannte, dass die „Progressiven" ihre Herrschaft hierarchisch durchsetzten, statt echte Pluralität zu praktizieren. Die Konsequenz ist eine doppelt misslungene innerkirchliche Konfliktlösung: Das Konzil wurde als Befreiung von autoritären Strukturen verkündet, wurde dann aber selbst autoritär durchgesetzt.

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