Die Pastoralreferent*innen Göbel und Bischoff analysieren in ihrem Kommentar zur vierten Synodalversammlung drei grundlegende Konflikte, die unter der Oberfläche der gescheiterten Abstimmungen zum Vorschein kommen. Zunächst kritisieren sie das Naturrechtsdenken des 19. Jahrhunderts, das der kirchlichen Sexualmoral zugrunde liegt und eine echte Verständigung über Homosexualität, Trans- und Intergeschlechtlichkeit unmöglich macht. Sie argumentieren, dass die Kirche historische Kontextualisierungen bei anderen Themen vorgenommen hat und dies auch bei Fragen von Geschlechtlichkeit möglich sein müsse. Es könne nicht wirklich unmöglich sein, Tradition und Überlieferung in diesen Fragen neu zu bewerten.
Das zweite Kernproblem ist die strukturelle Grenze zwischen Laien und Klerus: Während Bischöfe gerne von Laien beraten lassen möchten, bleiben echte Entscheidungsbefugnisse der Hierarchie vorbehalten. Auch die beschworene Synodalität beschränke sich auf das Hören, nicht auf Urteilen und Handeln. Die Autoren stellen in Frage, ob dieser historisch gewachsene Graben wirklich sakramental notwendig ist.
Drittens widersprechen die Autoren dem Argument von Bischöfen, die ihre Ablehnung von Reformen mit ihrem Treueeid begründen. Sie plädieren für ein dynamisches, nicht statisches Verständnis von Tradition und Treue, das auch Weiterentwicklung von Lehre ermöglicht. Abschließend fordern sie auf, diese scheinbaren Unmöglichkeiten nicht durch zeitliche Verzögerung oder kleinere Schritte zu lösen, sondern sie direkt anzugehen.