Der Autor, der aus einer Unternehmerfamilie stammt und später Theologie studierte, entdeckt bei der Relektüre von Peter Nolls und Hans Rudolf Bachmanns satirischem Werk „Der kleine Machiavelli" (1987) eine überraschende Aktualität für kirchliche Strukturen. Die darin beschriebenen Machtmechanismen erweisen sich als universell gültig – nicht nur für Wirtschaft und Politik, sondern auch für Kirche.
Der Autor skizziert mehrere zentrale Konzepte aus dem Buch. Das „Gesetz der 50jährigen Männer" beschreibt, wie ältere Führungskräfte, die mehr Lebenszeit hinter als vor sich haben, weniger geneigt sind, notwendige Veränderungen durchzuführen, die ihre gegenwärtige Position gefährden könnten – ein Problem, das in der katholischen Kirche besonders virulent ist, da dort männliche Positionen an klerikal gebundene Machtstrukturen gekoppelt sind. Das „Gesetz des blinden alten Mannes" illustriert die Gefahr, wenn hierarchisch Höhergestellte aufgrund ihres Sendungsbewusstseins blind für notwendige Innovationen werden und talentierte Nachwuchskräfte blockieren. Die „grauen Mäuse" sind unauffällige Akteure, die durch geschickte Koalitionsbildung und verdeckten „Stellungskrieg" Machtpositionen erobern. Das Kapitel zu „Headhuntern" thematisiert, wie Personalberatungen sowohl der echten Kandidatensuche als auch der Legitimation vorher getroffener Entscheidungen dienen können. Insgesamt zeigt der Artikel, wie klassische machtpolitische Spielzüge in kirchlichen Institutionen reproduziert werden.