Der Autor stellt die grundsätzliche Frage, ob der Synodale Weg eine echte Revolution oder nur ein oberflächliches Besänftigungsmanöver darstellt. Dabei legt er dar, dass die göttliche Stiftung der Kirche zwar unverfügbar ist, ihre irdische Rechtsgestalt aber durchaus neu gestaltet werden kann und muss. Das gegenwärtige Kirchenrecht, geprägt von einer überholten Ekklesiologie, ist von Menschen gemacht und kann von Menschen verändert werden. Die aktuelle Verfassung der Kirche folgt einem absolutistischen Modell: Bischöfe agieren als unkontrollierte Monarchen, während Gläubige primär Gehorsam schulden. Dabei wird Macht nicht als positive Gestaltungskraft begriffen, sondern als strukturelle Ungleichheit erfahren – alle Getauften haben zwar gleiche Würde, aber nicht gleiche Rechte.
Diese Machtkonzentration ohne Kontrolle und Rechenschaftspflichtigkeit hat sich als fatal erwiesen. Sie schuf nicht nur Gelegenheitsräume für sexuelle Gewalt, sondern ermöglichte auch deren systematische Vertuschung. Der weltweite Skandal – von Irland über Australien bis Frankreich – zeigt: Das System selbst ist das Problem. Die Kirche verliert ihre Glaubwürdigkeit durch den fundamentalen Widerspruch zwischen ihrer Heilsbotschaft und ihrem institutionellen Handeln. Für denkende, eigenverantwortliche Gläubige ist diese Rechtsgestalt nicht mehr einsichtig zu machen. Der Synodale Weg kann nur dann ein echter Reformprozess sein, wenn er bereit ist, diese grundlegende Struktur zu transformieren – nicht aus politischen Motiven, sondern weil theologische Integrität und der Schutz von Menschen es erfordern.