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Carolin Hohmann

Studenten Gender zumuten

Veröffentlichung:1.5.2026

Gender ist keine Frauenangelegenheit, sondern eine theologische Querschnittsaufgabe, die alle Geschlechter betrifft und nur durch gemeinsame Dekonstruktion von Stereotypen und Machtstrukturen zu mehr Gerechtigkeit führt.

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Der Artikel argumentiert überzeugend, dass Gender in der theologischen Lehre und Forschung nicht als reines Frauenthema verstanden werden darf. Die Autorin berichtet von einer Reaktion auf ihr Seminar, in der Besorgnis geäußert wird, dass männliche Studierende sich für Genderthemen nicht interessieren könnten – eine Haltung, die sie kritisiert. Sie betont, dass theologische Genderforschung von und für alle Menschen ist und dass es Zeit für Studierenden ist, sich dieser Materie zuzumuten. Die Autorin erklärt zunächst die theoretische Grundlage: die Unterscheidung zwischen sex (biologisches Geschlecht) und gender (soziales Geschlecht). Diese Differenzierung war revolutionär für die Frauenbewegung, da sie die These „Biologie ist Schicksal" angreifbar machte. Mit Simone de Beauvoir argumentiert sie: „Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es." Geschlechterrollen sind also gesellschaftliche Konstruktionen, nicht natürliche Gegebenheiten. Ein zentraler Punkt ist, dass sowohl Frauen als auch Männer durch Geschlechterstereotype geprägt sind – nur auf unterschiedliche Weise und mit unterschiedlichen Konsequenzen. Die Autorin illustriert dies mit dem Konzept der „toxischen Männlichkeit": Männer sollen stark sein, dürfen nicht weinen oder Vulnerabilität zeigen. Dies wird von klein auf erlernt und prägt gesellschaftliche Konzepte von Männlichkeit nachhaltig. Gleichzeitig profitieren Männer strukturell von einer ungleichen Geschlechterordnung – ein Phänomen, das die Soziologin Raewyn Connell als „patriarchale Dividende" beschreibt. Die Autorin argumentiert aus theologischer Perspektive, dass es notwendig ist, Ausschlüsse und Ungerechtigkeiten auf verschiedenen Ebenen aufzudecken. Dies kann nur gelingen, wenn man hegemonialen Diskurse und strukturelle Ungleichheiten berücksichtigt. Um Geschlechterungerechtigkeit zu begegnen, braucht es die Perspektiven und Mitwirkung aller Geschlechter. Der Artikel endet mit Studierendenzitaten, die zeigen, dass ein theologisches Genderseminar zu vertiefter Sensibilität, erweiterten Perspektiven und kritischem Umdenken führt – auch bei männlichen Studierenden, die entdecken, dass Gender ein vielschichtiger theologischer Diskurs ist.

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