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feinschwarzWolfgang Beck

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Wolfgang Beck

Wie Ameisen neben den großen Elefanten – ein Interview

Veröffentlichung:1.5.2026

Ein Ehepaar von „Brot für die Welt" berichtet von seiner Arbeit mit Gewaltopfern in der Demokratischen Republik Kongo und thematisiert sexualisierte Gewalt als systematische Kriegswaffe, mangelnde Rechtsdurchsetzung und fehlende Schutzstrukturen für betroffene Frauen.

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Claire Rushatsi und Audace Manirahinyuza arbeiten seit vier Jahren für das Hilfswerk „Brot für die Welt" der evangelischen Kirche in Deutschland im Südosten der Demokratischen Republik Kongo. Beide haben ihre Ausbildung in Deutschland absolviert und kehrten bewusst nach Afrika zurück, um in ihrer Heimatregion der Großen Seen an Frieden und Entwicklung zu arbeiten. Audace arbeitete zunächst als Entwicklungshelfer im Zivilen Friedensdienst in Burundi, bevor das Paar einen Auftrag in Haut-Katanga erhielt, einer Region reich an Bodenschätzen, aber geprägt von Armut, Kriegen und politischer Instabilität. Claire spezialisiert sich auf die medizinische und psychologisch-soziale Betreuung von Frauen, die sexualisierte Gewalt erlebt haben. Täglich kommen etwa 15 Frauen ins Krankenhaus, wo sie Direktversorgung und therapeutische Unterstützung erhalten. Als Frau nimmt Claire dabei eine Schlüsselrolle ein, da Gewaltopfer ihr leichter vertrauen und sie durch ihr Vorbild aufzeigt, wie selbstbewusste weibliche Handlungsfähigkeit aussehen kann. Audace verdeutlicht die regionalen Unterschiede in den Geschlechterverhältnissen und betont, dass sexualisierte Gewalt in der Region sowohl im familiären als auch im kriegerischen Kontext verbreitet ist. Im Kongo herrsche eine stark patriarchalische Struktur vor, die Mädchen vom Schulzugang abhält und Erbschaften vorenthält. Systematische Vergewaltigungen werden als Kriegswaffe eingesetzt, um Familien zu zerstören und ethnische Gruppen zu eliminieren – ein Phänomen, das sich durch die Kriege in Burundi und den Genozid in Ruanda zieht. Ein zentrales Problem ist die fehlende rechtliche Verfolgung: Das Justizystem ist stark von Korruption geprägt, weshalb Strafverfahren praktisch nicht stattfinden. Darüber hinaus existieren keine Schutzstrukturen wie Frauenhäuser, sodass Gewaltopfer wieder in ihre Familien zurückmüssen. Die gesellschaftliche Tabuisierung von Sexualität erschwert es Frauen zusätzlich, über ihre Erfahrungen zu sprechen.

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