Die zweite Plenarversammlung des Synodalen Wegs fand unter schwierigen Bedingungen digital statt, wobei die räumliche Distanz die für synodale Diskussionen notwendige unmittelbare Konfrontation erschwerte. Der Artikel argumentiert, dass authentische synodale Begegnungen – insbesondere bei Fragen zu systemischem Missbrauch und kirchlichen Reformen – die persönliche Auseinandersetzung und das unvermeidliche Einander-Ausgesetztsein erfordern, die sich im digitalen Modus leicht vermeiden lassen.
Trotz dieser Herausforderungen gelang es der Versammlung vom 4./5. Februar 2021, durch ihre Regie dem drohenden Lähmungseffekt der Kölner Ereignisse entgegenzuwirken. Entscheidend war, dass die Opfer von Missbrauch – vertreten durch Johannes Norpoth, Kai Moritz und Johanna Beck – gleich zu Beginn das Wort erhielten. Dies setzte den entscheidenden Maßstab: Ein Synodaler Weg ohne echte Mitsprache der Betroffenen und ohne unmittelbare, operationalisierbare Konsequenzen verstrickt sich in jenen Plausibilitäten, die das System erst ermöglicht haben. Die vier Synodalforen adressieren zentrale Reformthemen – von Sexualität über Priesterliche Lebensformen bis zur Frauenordination –, die alle mit dem Dispositiv kirchlicher Macht verflochten sind.
Der Artikel betont schließlich, dass sich im Synodalen Weg eine neue Debattenkultur etabliert, in der Bischöfe und Laien gleichberechtigt nach Überzeugungskraft ihrer Argumente diskutieren. Dies ist keine oberflächliche „Communio-Kosmetik", sondern eine genuine Performance synodaler Entscheidungsfindung, die sich auch im digitalen Format bewährt hat und hohe Dynamik entfaltet – exemplarisch etwa bei Kardinal Marx' klarem Votum für die Frauenordination.