Theresa Pieper analysiert den Gender-Diskurs des Jahres 2016 und seine Weichenstellungen für 2017. Auf der einen Seite standen erstarkte Anti-Gender-Positionen: der Einzug der AfD in zehn Landesparlamente, Papst Franziskus' Verurteilung der Gendertheorie, der Streit um den Bildungsplan in Baden-Württemberg und eine wachsende populistische Rhetorik von „Gender-Wahnsinn" und „Genderismus". Auf der anderen Seite beschlossen drei evangelische Landeskirchen die vollständige Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare, und die EKD initiierte eine Studie zu Kirchenmitgliedschaft und politischer Kultur, deren Ergebnisse für mehr Dialog und Bildung plädieren. Pieper schlussfolgert: Der Umgang mit dem Gender-Diskurs wird zum Gradmesser für das Demokratieverständnis der pluralistischen Gesellschaft – und an ihm wird sich zeigen, wie offen Deutschland sein will.