Der Artikel analysiert die Missbrauchskrise in der katholischen Kirche als Symptom tieferliegender theologischer und struktureller Probleme. Im Zentrum steht das Phänomen der „internalisierten Homophobie" (IH), unter der viele LSBTIQ-Personen, besonders religiöse, leiden – eine psychische Deformation des Selbstgefühls, die durch die kirchliche Ablehnung gelebter Homosexualität verstärkt wird. Diese innere Ablehnung führt häufig zu externalisierter Homophobie, die sich in Äußerungen kirchlicher Amtsträger und in lehramtlichen Dokumenten manifestiert. Der Artikel weist darauf hin, dass Homosexualität selbst nicht die Ursache sexuellen Missbrauchs ist – etwa 36 Prozent der dokumentierten Fälle betreffen Mädchen – sondern vielmehr die generalisierte Verleugnung von sexuellem Begehren und Beziehungswünschen in Kombination mit extremen Machtgefällen zwischen Klerus und Laien.
Zentral ist die Frage nach der Mitschuld der Theologie, die Jahrzehnte lang zu theologischen Fehlschlüssen geschwiegen hat, insbesondere zur unnötigen Sakralisierung des Priesteramtes. Der Autor argumentiert, dass die Theologie selbst unter Druck des Lehramts stand und innovatives Denken unterdrückt wurde. Die Lösung liegt in einer kirchlichen Strukturreform: Gewaltenteilung würde nicht nur Machtverluste bedeuten, sondern auch eine Befreiung der Priester von dem unmenschlichen Anspruch, durch die Weihe zu einer Art Übermensch zu werden. Eine Kirchenverfassung, die auf dieser Übermenschlichkeitsfiktion basiert, reproduziert das System, das Missbrauch ermöglicht.