Flora-Nike Göthin, als Betroffene des Bistums Würzburg, äußert deutliche Kritik an einer Performance-Aktion zur Aufarbeitung von Missbrauch. Sie distanziert sich von dieser Selbstdarstellungsaktion, die sie als mediengesteuerte Provokation bewertet, die weder informativ noch heilsam wirkt. Die Performance habe kaum Passanten verstanden, während das dargestellte Setting mit ritueller Inszenierung traumatisierend auf Betroffene wirke, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Besonders problematisch erachtet sie, dass die Aktion gegen den vorherigen Widerspruch von Betroffenen durchgeführt wurde – eine Reinszenierung von Ohnmacht durch jene, die dies verstehen sollten.
Der Leserinnenbief hebt dagegen die konstruktive Arbeit von Bischof Franz Jung hervor, der seit seiner Amtsübernahme seriöse Aufklärungsarbeit leistet: Podiumsdiskussionen, Einzelgespräche mit Betroffenen, Akteneinsicht und diskrete Aufarbeitung zum Schutz der Privatsphäre. Göthin betont, sich durch diese Arbeit „gesehen, angehört und respektiert" zu fühlen. Sie warnt davor, dass solche provokanten Performance-Aktionen das Vertrauen beschädigen und „die Türen wieder zugehen" lassen könnten. Abschließend würdigt sie Jungs bisherige Leistungen trotz der enormen Last des Erbes seiner Vorgänger und fordert, ihm Zeit und Raum für die sensible Aufarbeit zu geben.