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feinschwarzUrsula Nothelle-Wildfeuer

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Ursula Nothelle-Wildfeuer

Glaubwürdig Kirche sein? Das Subsidiaritätsprinzip in der Kirche

Veröffentlichung:1.5.2026

Die katholische Kirche könnte ihr Glaubwürdigkeitsproblem lösen, indem sie ihr eigenes Subsidiaritätsprinzip ernst nimmt und auf ihre Strukturen anwendet – als Freiheitsermöglichung statt Obrigkeitszentralismus.

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Die katholische Kirche steht angesichts massiver Glaubwürdigkeitskrisen vor großen Herausforderungen. Doch gerade in ihrer Soziallehre könnte sie Reformpotentiale entdecken. Das Subsidiaritätsprinzip – ein Kernkonzept katholisch-sozialen Denkens des 19. Jahrhunderts – hat längst Eingang in säkulare Gesellschaftsdebatten gefunden. Paradoxerweise wird es innerhalb der Kirche selbst noch immer nicht umgesetzt, obwohl Pius XII. bereits 1946 seine Geltung für die kirchliche Struktur forderte. Der Artikel argumentiert, dass die Kirche ihre Glaubwürdigkeit zurückgewinnen könnte, wenn sie das Subsidiaritätsprinzip als Freiheitsermöglichungsprinzip ernst nähme. Das Subsidiaritätsprinzip besitzt zwei Dimensionen: eine negative, die das Recht kleinerer Einheiten und Individuen auf Eigenständigkeit betont und Eingriffe größerer Strukturen kritisch begrenzt, und eine positive, die solidarische Unterstützung vorsieht – Hilfe zur Selbsthilfe statt Entmündigung. Angewendet auf die Kirche müsste dies bedeuten, dass sowohl die Verantwortung der Ortskirchen und Gläubigen als auch die strukturelle Verantwortung der übergeordneten Ebenen berücksichtigt werden. Der Artikel kritisiert zwei gegensätzliche Verzerrungen: Erstens die Überlastung der unteren Ebene mit alleiniger Verantwortung für Glaubwürdigkeit und Evangelisierung, wobei die systembedingten Missstände auf Führungsebene (sexueller, geistlicher und Machtmissbrauch) ignoriert würden. Zweitens die Obrigkeitszentriertheit, die untere Ebenen zu bloßen Ausführungsorganen degradiert. Das Subsidiaritätsprinzip könnte stattdessen zu einer Kultur von Partizipation und Kooperation führen, die in der durch Taufe und Firmung allen Gläubigen zukommenden gleichen Würde verankert ist. Ein notwendiger Rollenwechsel wäre erforderlich: weg von überwa­chender Autorität hin zu dienender Unterstützung.

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