Die ökumenischen Dokumente der Reformationszeit haben offenbart, dass fundamentale Differenzen im Kirchen- und Amtsverständnis zwischen katholischer und reformatorischer Tradition bis heute ungelöst sind. Dies wird besonders dramatisch bei der Frage nach der Ordination von Frauen: Während die Kirchen der Reformation und die altkatholische Kirche seit Mitte des 20. Jahrhunderts Frauen in allen kirchlichen Ämtern zulassen und auch orthodoxe sowie armenisch-apostolische Kirchen zunehmend Diakoninnen ordinieren, verteidigt die katholische Kirche die lehramtliche Position Johannes Pauls II., die Frauen vom Priestertum ausschließt. Diese exklusive geschlechtsspezifische Repräsentationsvorstellung wird jedoch sowohl durch das Zeugnis der frühchristlichen Gemeinden als auch durch systematisch-theologische Argumente infrage gestellt.
Ein ökumenischer Kongress an der Universität Osnabrück im Dezember 2017 versammelte rund 200 Theologinnen und Theologen, um diese Frage wissenschaftlich zu durchleuchten. Die Teilnehmenden prüften die historischen, biblischen und theologischen Argumente für die Öffnung von Ämtern für Frauen. Zentrale Erkenntnis: Die historische Praxis der Diakoninnen-Ordination im ersten Jahrtausend zeigt, dass der Ausschluss von Frauen keineswegs unverrückbar in der Tradition verankert ist, sondern begründungspflichtig wird. Exegetische Studien belegen, dass das Apostelamt nicht männlich reserviert ist – wer glaubt und in Christus-Nachfolge steht, repräsentiert Christus. Die Kongress-These fordert daher eine Traditionskritik ein und verlangt, dass wissenschaftliche Diskurse auch auf lehramtlicher Ebene Rezeption finden müssen, um der in der Schrift grundgelegten gleichen Würde von Frau und Mann entsprechend zu handeln.