Der Artikel analysiert die katholische Gegenbewegung gegen „Genderismus" als breite kulturkämpferische Allianz unterschiedlichster Akteure, die das Gender-Konzept als Bedrohung der Schöpfungsordnung wahrnehmen. Diese Anti-Gender-Positionen finden sich in kirchlichen Dokumenten, theologischen Publikationen und vor allem in medialen und aktivistischen Räumen. Zentral für diese Ablehnung ist die Vorstellung, dass Geschlecht eine natürliche, unveränderliche und biologisch eindeutig bestimmbare Eigenschaft ist, die mit festen Rollen und sozialen Positionen verbunden ist – eine Normalitätsannahme, auf der kirchliche Theologie und Bibelauslegung traditionell aufbauen.
Dem gegenüber stellt der Autor das wissenschaftliche Gender-Konzept dar, das Geschlecht nicht als biologisches Faktum, sondern als soziale Konstruktion begreift. Dies bedeutet nicht die Leugnung von Biologie, sondern die Erkenntnis, dass die Bedeutungen und Werte, die Geschlechtsmerkmalen zugeordnet werden, kontinuierlich durch soziale Praktiken und Kommunikation „gemacht" werden. Menschen erschaffen Geschlechter durch alltägliche Bedeutungszuschreibungen, wodurch diese als selbstverständlich und natürlich erscheinen. Zentral ist die These, dass Geschlechterkonstruktionen dadurch rechenschaftsfähig werden – einfache Naturalisierungen wie „Weil Männer so sind" können nicht länger als Rechtfertigung gelten. Die Gender-Forschung fragt stattdessen, wie Geschlechter hergestellt, normalisiert und gelegentlich auch subversiv verändert oder temporär „außer Kraft gesetzt" werden.