Der Artikel problematisiert die in der katholischen Kirche übliche Praxis, den Kelch bei der Eucharistie dem Priester vorzubehalten und ihn den Gläubigen nicht zu reichen. Diese Praxis geht auf die Konzile von Konstanz und Trient zurück und wurde durch die scholastische Lehre der Konkomitanz – wonach Christus im Brot allein ganz gegenwärtig ist – theologisch gerechtfertigt. Historisch wurde der Laienkelch zum Zeichen der Reformation und von der Kirche daraufhin konfessionalistisch abgelehnt, obwohl das Zweite Vatikanische Konzil die Kelchkommunion grundsätzlich wieder ermöglichte.
Die Autorin argumentiert, dass diese Praxis problematisch ist, weil sie dem expliziten Auftrag Jesu widerspricht. Theologisch gehen dem Gläubigen ohne den Kelch zentrale Dimensionen verloren: die Zeichenhandlung des Trinkens, das Symbol des Neuen Bundes, der Gemeinschaftscharakter des Mahls und die Überwindung individualistischer Frömmigkeit. Der gemeinsame Kelch drückt besonders die tiefe Verbundenheit und Schicksalsgemeinschaft aus, die durch einzelne Hostien nicht erreicht wird.
Praktische Bedenken – etwa bezüglich Hygiene oder der Konkomitanzlehre – werden als lösbar dargestellt. Im Blick auf das Reformationsjubiläum könnte die Wiederherstellung der Kelchkommunion auch ein bedeutsames ökumenisches Zeichen sein. Die Autorin betont abschließend: Katholiken geben ihre Identität nicht auf, sondern finden sie neu, wenn sie Jesu Stiftungswillen endlich wieder ernst nehmen.