Anlässlich des 50. Jahrestags des Abschlusses des Zweiten Vatikanischen Konzils versammelten sich 2015 knapp zweihundert deutschsprachige Theologinnen und Theologen in München, um die Impulse des Konzils für die gegenwärtige Aufgabe der Theologie zu reflektieren. Leitend ist die vom Konzil vorgegeben Arbeitsweise, die Zeichen der Zeit zu deuten und das Evangelium pastoral im Eingehen auf die Freuden und Nöte der heutigen Menschen zu bezeugen (aggiornamento).
Der Kongress identifiziert fünf zentrale Herausforderungsfelder: Erstens muss die Theologie das Freiheitsanliegen aus ihrem Glaubensverständnis heraus entfalten und für die Verwirklichung von Gewissensfreiheit, Meinungsfreiheit und Mitwirkungsrechten in der Kirche eintreten – nicht nur in der globalen Gesellschaft, sondern auch innerkirchlich. Zweitens ist Theologie als unverzichtbares wissenschaftliches Lehramt zu profilieren, das im interdisziplinären Dialog mit anderen Wissenschaften und Kulturen arbeitet. Drittens bedarf es einer ergebnisoffenen Diskurskultur zwischen theologischer Wissenschaft und bischöflichem Lehramt, wobei die Freiheit der Theologie garantiert bleiben muss. Viertens fordert das Konzil zur Reform kirchlicher Strukturen auf: Synodalität muss vom Leitbild zur rechtlich umgesetzten Realität werden, basierend auf einer pneumatologischen Ekklesiologie, die das Volk Gottes in seiner Vielstimmigkeit zu Wort kommen lässt. Die Kongress-Thesen unterstreichen dabei die Maxime „Was alle angeht, soll auch von allen behandelt werden" – transparente, nicht hinter verschlossenen Türen getroffene Entscheidungen sind erforderlich.