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Münchner Theologische ZeitschriftGudrun Nassauer

Münchner Theologische Zeitschrift,

Gudrun Nassauer

Bilder, die die Welt bedeuten

Veröffentlichung:1.5.2026

Auf die Frage, wer Jesus sei, antwortet die lukanische Kindheitserzählung in Form von erzählten Christus-Bildern. Der theologische Geltungsanspruch dieser Bilder liegt – jenseits von historischer Referenz und symbolischer Reduktion – in der Heilsbedeutsamkeit der dargestellten Person selbst.

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Auf die Frage, wer Jesus sei, antwortet die lukanische Kindheitserzählung in Form von erzählten Christus-Bildern. Der theologische Geltungsanspruch dieser Bilder liegt – jenseits von historischer Referenz und symbolischer Reduktion – in der Heilsbedeutsamkeit der dargestellten Person selbst. Der Aufsatz untersucht die anschauliche Wirkung der lukanischen Geburtserzählung (Lk 2,1–20) im Kontext der antiken Biographie und Geschichtsschreibung und befragt sie auf den ihr eigenen Wahrheitsgehalt. Bilder prägen die Kultur – nicht erst in der multi-medialisierten Welt von heute.1 Gute Bilder sprechen den Betrachter unmittelbarer an als ein deskriptiver Text. Die Entscheidung einer großen Frankfurter Zeitung im Herbst 2007, auf ihrer bis dahin rein textbasierten Titelseite täglich ein aussagekräftiges Bild zu veröffentlichen, mag dieses kulturelle Bewusstsein exemplarisch verdeutlichen. Bereits in der Frühphase des Christentums hat der Verfasser des Lukasevangeliums die suggestive Kraft von Anschaulichkeit genutzt, um die Biographie Jesu zu erzählen. Damit folgte er einem rhetorisch-literarischen Postulat seiner Zeit und setzte es kreativ ein, um Adressaten von kulturell und religiös unterschiedlicher Herkunft anzusprechen. Lukas erzählt die Welt Jesu sozusagen für seine Leser herbei und macht sie präsentisch erlebbar. Die erzählte Welt der Geburtserzählung (Lk 2,1–20) wirkt in manchen Details für den heutigen Leser beunruhigend wenig greifbar. Für Lukas besitzt sie dagegen einen theologischen Geltungsanspruch, der sich gerade im Modus der anschaulichen Erzählung verwirklicht. Zu zeigen, wie die anschauliche Erzählung von Lk 1–2 diesen ihr eigenen Wahrheitsgehalt entfaltet, ist das Ziel der folgenden Ausführungen.

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