Es wird im vorliegenden Artikel1 eine Kritik des Neukantianismus ausgehend von der Körperfrage entwickelt. Der Neukantianismus ist jene Theorie, die die Unordnung der sinnlichen Eindrücke in Ordnung setzt, und jede Ausnahme komprimiert. Der Körper des Triebes und des Todes ist hingegen ein störendes Element in der Ordnung. Es ist das Element des Unsagbaren und damit der Abwesenheit: was im Spiegel des Narzissmus fehlt und den zentralen Platz eines Anderen in sich selbst signalisiert. Die These – teilweise unbewusst – lautet, dass der Frage der Missbräuche in der Kirche nicht mit der moralistischen Sprache der Wertphilosophie, sondern mit der Sprache der Mystik und der Psychoanalyse begegnet werden muss. Beide sagen dasselbe: das Ende der gnostischen Halluzinationen des Perfektionismus des Geistes – und auch des Körpers; das Ende ihrer Opposition; und die Ankündigung des Ankommens des Messias, d. h. der Ausnahme, gerade in der Unvollkommenheit und in der Endlichkeit des Körpers. Die verheerende Krise der Verkündigung, des Wahrheitsbegriffs und seines Lehramts fordert uns auf, unsere Herkunft und die damit verbundene Erinnerung zu überdenken. Wir hatten das Schicksal, in einer Zeit so tiefgreifender Veränderungen zu leben, dass es sogar als unzureichender Schritt erscheinen wird, die Garantien der Normalität aufzugeben. In der Krise unserer Repräsentationssysteme geht es nicht nur darum, den Begriff der Metaphysik als Lehre von der Ordnungsgarantie aufzugeben. Es geht vielmehr darum zu verstehen, wie wir die Kraft der Zukunft verloren haben, und wo wir ein faules Konzept des Geistes angenommen haben.