Der Artikel analysiert Auschwitz als zentralen Lernort für religiöse und historische Bildung im Kontext des WiReLex. Während massentouristisches "Sightseeing" die dem Ort geschuldete tiefe Auseinandersetzung nicht leiste, ermöglichten längere pädagogische Reisen mit Jugendlichen transformative Erfahrungen, die schulisches Vorwissen vertiefen und emotional bedeutsame Lernprozesse initiieren. Der Artikel kontextualisiert Auschwitz historisch: Die Stadt Oświęcim war im Mittelalter eine multikulturelle Grenzstadt mit jahrhundertelanger friedlicher jüdisch-katholischer Koexistenz bis zur NS-Okkupation 1939. Die Nationalsozialisten errichteten dort eines der größten Konzentrationslager, das zunächst zur Unterdrückung der polnischen politischen Intelligenz diente, später jedoch zum zentralen Ort des Holocausts wurde. Der Text unterstreicht, dass Auschwitz sowohl konkreter Tatort einzelner Verbrecher als auch universales Symbol für systematische Vernichtung ist. Die pädagogische Arbeit an diesem Ort verbindet emotionale Tiefe mit kritischer Reflexion und ermöglicht Schülerinnen und Schülern, insbesondere Deutschen, eine verantwortungsvolle Auseinandersetzung mit nationalsozialistischen Verbrechen und deren Konsequenzen für gegenwärtige gesellschaftliche Fragen im Sinne von Adornos Konzept der "Bildung nach Auschwitz".