Der Artikel 'Bibel erzählen' von Martina Steinkühler behandelt das mündliche Erzählen biblischer Geschichten als zentrale Methode religiöser Kommunikation und Bildung. Ausgehend von Beispielen wie Gerd Theißens Roman und Hans Frôrs theologischem Ansatz wird dargelegt, dass Erzählen eine besondere Kraft besitzt: Es ist konkret, anschaulich und attraktiv; es spricht unbefangen an, was eigentlich unaussprechbar ist, und schafft Räume der Begegnung mit dem Transzendenten. Die Bibel wird als Sammlung von Erzählungen verstanden, deren narrative Texte besonders im Gedächtnis bleiben und die Heilsgeschichte Gottes vermitteln. Der Artikel analysiert die gegenseitige Determinierung von Erzählen und Bibel: Das freie Erzählen bindet sich an eine autoritative Vorlage, während die Bibel durch das Medium des Erzählens lebendig wird. Biblische Texte selbst (Dtn 6,20-22; Apg 4,20) instruieren zum Erzählen und Bezeugen des Glaubens. Der praktische Teil differenziert drei Kategorien: frontale Präsentation durch Künstler oder Erzähler; Bibelerzählen als gelernte Kunstform mit Stimmführung und Gestik; und partizipative Modelle wie Godly Play, das auf Montessori-Pädagogik basiert und Elemente wie standardisierte Fragen, freies Gestalten und ritualisierte Strukturen kombiniert. Der Artikel betont, dass solche Erzählpraktiken in Familie, Gemeinde und Schule vielfach stattfinden und heterogene Gruppen als Bildungsangebot erreichen können.