Der Artikel behandelt die evangelische Perspektive auf den Dialog der Religionen in einer globalisierten, pluralen Welt. Dahling-Sander definiert Dialog als persönlichen Prozess zwischen Menschen verschiedener Religionen, der Offenheit, Neugierde, gegenseitiges Vertrauen und Respekt voraussetzt. Er legt dar, dass eine theologisch verantwortete Sicht auf interreligiösen Dialog von der ökumenischen Basis ausgehen muss – dem gemeinsamen Glauben an den dreieinigen Gott und die Einheit der Christen in Christus. Die Charta Oecumenica von 2001 wird als Meilenstein präsentiert, da sich erstmals orthodoxe, evangelische und römisch-katholische Kirchen auf gemeinsame theologische Grundlinien für Religionsdialoge einigten. Der Autor kritisiert die Begriffe "interreligiöse Ökumene" und "abrahamitische Ökumene" als sachlich ungenau, da sie die substantiellen Unterschiede zwischen Religionen verschleiern. Die historische Entwicklung zeigt eine grundlegende Neuausrichtung seit 1961: Die Integration des Internationalen Missionsrates in den Ökumenischen Rat der Kirchen markierte den Übergang von missionarischer zu dialogischer Praxis. Vier Faktoren förderten diesen Wandel: das neue Selbstbewusstsein nichtchristlicher Religionen, die Aufarbeitung europäischer Schuld durch Kreuzzüge und Kolonialmission, die theologische Auseinandersetzung mit der Judenverfolgung und Migrationsbewegungen. Seit 1971 wurde der Dialog institutionalisiert und auf gleichem Rang wie Mission und Evangelisation positioniert. Der Artikel zeigt, dass evangelische Theologie für einen respektvollen, theologisch begründeten Religionsdialog plädiert, der die Integrität anderer Traditionen wahrt und gleichzeitig die eigene christliche Identität bewahrt.