Der Artikel analysiert die Herausforderung des Dialogs der Religionen als zentrale Aufgabe in pluralistischen Gesellschaften, wo Religionen sowohl konfliktschärfend als auch konfliktlösend wirken. Lähnemann kritisiert die schematische Darstellung der drei klassischen theologischen Modelle (exklusiv, inklusiv, pluralistisch), betont aber deren heuristische Brauchbarkeit zur Veranschaulichung grundlegender Perspektiven. Das exklusive Modell wird als in sich widersprüchlich dargelegt, da es universale humane Sichtweisen unmöglich macht; das inklusive Modell wird vorgeworfen, andere Religionen nicht in ihren eigenständigen Kategorien wahrzunehmen; das pluralistische Modell tendiere zur Relativierung echter Unterschiede. Der Autor verfolgt stattdessen die prozesshafte Entwicklung des interreligiösen Lernens parallel zu theologischen Umbrüchen, besonders ab den 1960er Jahren. Zentrale kirchliche Entwicklungen sind das Zweite Vatikanische Konzil mit seiner positiven Würdigung nichtchristlicher Religionen, die Arbeit des Ökumenischen Rates der Kirchen mit seinen Leitlinien zum Dialog, und die englische Shap Working Party, die den phenomenologischen Ansatz in der Religionspädagogik etablierte. Dieser Ansatz zielt darauf ab, sich in die Gedankenwelt anderer Gläubiger einzufühlen und ihre Erfahrungen nachzuempfinden. Lähnemann dokumentiert die deutschsprachige Rezeption dieser Entwicklungen und formuliert die Aufgabe einer theologischen Didaktik, die interreligiöses Lernen aus der Mitte christlichen Glaubens begründet, ohne andere Religionen abzuwerten.