Elisabeth Naurath argumentiert in diesem Artikel, dass Emotionen und Kognition untrennbar miteinander verbunden sind und dass ein rein kognitives Menschenbild der menschlichen Realität nicht gerecht wird. Sie definiert Emotionen als affektive Gemütsbewegungen, die mit physiologischen Reaktionen und sozialen Wirkungen einhergehen und sich als komplexer, durch individuelle und soziale Faktoren bestimmter Prozess entwickeln. Der Text kritisiert die tradierte Marginalisierung emotionaler Lernprozesse in der Erziehungswissenschaft, obwohl bereits Pestalozzi ein ganzheitliches Lernen mit Kopf, Herz und Hand gefordert hat. Basierend auf Antonio Damasios Bewusstseinstheorie zeigt Naurath, dass Emotionen die Funktion der Auswahl, Bewertung und Konsolidierung von Informationen erfüllen und damit zentral für alle pädagogischen Prozesse sind. Sie weist nach, dass innere emotionale Bezüge zum Lernstoff motivational wirksam sind und zu dynamischem, transferierbarem Wissen führen. Moderne neurophysiologische Erkenntnisse bestätigen die pädagogische Relevanz von Emotionen wissenschaftlich. Naurath kritisiert die kognitiv-strukturalistischen Entwicklungstheorien (Piaget, Kohlberg, Oser, Gmünder, Fowler) für ihre einseitige Fokussierung auf kognitive Strukturmomente, obwohl diese selbst sozial-emotionale Faktoren wie Empathie und Mitgefühl einbeziehen. Sie fordert eine emotionspsychologisch erweiterte Korrektur der religionspädagogischen Theorie und Praxis, die das Ineinanderspiel aller menschlichen Dimensionen berücksichtigt. Damit verbunden ist auch eine Überwindung streng altersgebundener pädagogischer Ansätze hin zu einer ganzheitlichen Subjektwerdung in Freiheit.