Katholikentage sind mehrtägige öffentliche Großveranstaltungen, die vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken organisiert werden und seit 1848 – zunächst jährlich, später im zweijährigen Rhythmus – durchgeführt werden. Sie entstanden als Reaktion auf die staatliche Bevormundung nach der Säkularisierung und nutzen die Errungenschaften der Märzrevolution von 1848, insbesondere Versammlungs- und Vereinsfreiheit. In ihrer Geschichte erlebten die Katholikentage tiefe Zäsuren durch den Kulturkampf, den Ersten Weltkrieg und die NS-Zeit, wobei 1933 die geplante Veranstaltung abgesagt wurde. Nach ihrer Wiederbelebung 1948 durchliefen sie einen grundlegenden Wandel: bis in die 1950er Jahre waren sie durch eine Aufteilung in öffentliche und geschlossene Delegiertensitzungen gekennzeichnet, die mit dem Katholikentag 1968 in Essen endgültig aufgehoben wurde. Dieser Öffnungsprozess führte zu einer neuen Streitkultur und offenbarte die wachsende Pluralisierung des deutschen Laienkatholizismus. Der Mauerbau 1961 machte die Katholikentage zu rein westdeutschen Ereignissen, während 1987 in der DDR ein eigenes Katholikentreffen stattfand. Nach einem Interessensrückgang in den frühen 1970er Jahren erlebte der Katholikentag 1978 eine unerwartete Renaissance, getragen von jungen Menschen und prominenten Gästen wie Mutter Teresa. Der Fall der Berliner Mauer 1990 markierte eine neue Zäsur, indem Katholikentage wieder gesamtdeutsche Ereignisse wurden. Das Zentralkomitee, 1868 gegründet, entwickelte sich vom reinen Organisationsgremium zum repräsentativen Beschlussgremium des organisierten Laienkatholizismus. Der Artikel dokumentiert damit die Entwicklung einer Institution, die Laienengagement, gesellschaftliche Partizipation und religiöse Identitätsbildung auf neue Weise verbindet.