Der Artikel behandelt die methodische Frage, inwiefern Romane als didaktisches Medium für die Kirchengeschichte herangezogen werden können. Während traditionelle Kirchenhistoriker wie Erwin Iserloh vor der 'parfümierten Geschichte' warnen, argumentiert der Autor auf Basis von Hayden Whites geschichtshermeneutischem Modell, dass Geschichtsschreibung und Belletristik strukturelle Ähnlichkeiten aufweisen und beide auf nachträglich konstruierten Plotstrukturen beruhen. Diese Perspektive hat sich in der Kirchengeschichtswissenschaft durchgesetzt, bleibt aber beim umgekehrten Blickwinkel – der Verwendung von Literatur als historische Quelle – umstritten. Der Artikel analysiert die Freiamts-Trilogie von Silvio Blatter (1978–1988) als Beispiel, wie literarische Werke kirchengeschichtlich relevante Prozesse vermitteln. Der erste Roman 'Zunehmendes Heimweh' verbindet Gegenwartsschilderungen mit historischen Rückblicken, insbesondere zum Freiämtersturm von 1841, und zeigt die Rolle des Katholizismus als gesellschaftlicher Kraft. Der Roman demonstriert innovative Erzähltechniken, die Erinnerung und Geschichte korrelativ verflehten. In 'Kein schöner Land' wird die fortschreitende Säkularisierung der katholischen Region dargestellt, exemplifiziert durch den scheiternden Priester Francis Fischer. Der Artikel argumentiert, dass literarische Werke erinnerungsgeleitetes Lernen ermöglichen und die emotionale sowie identitätsstiftende Dimension kirchengeschichtlicher Prozesse authentisch vermitteln können, ohne dabei wissenschaftliche Rigorosität zu gefährden.