Der Artikel von Burkard Porzelt behandelt das Konzept der kognitiven Aktivierung als Schlüsseldimension schulischer Unterrichtsqualität. Kognition wird als umfassender Oberbegriff für Prozesse der Geistestätigkeit verstanden, die durch Gefühle begleitet und kulturell geprägt sind. Im schulischen Kontext steht die Vermittlung von Wissen unter dem Primat des Kognitiven, wodurch Welt und Wirklichkeit rational nachvollziehbar und kritisierbar werden sollen. Dies gilt besonders für den Religionsunterricht, wo trotz der Transzendenz religiöser Erfahrung eine kognitive Rahmung notwendig ist. Kognitive Aktivierung beschreibt Unterrichtsmerkmale, die Schülerinnen und Schüler zu ernsthafter Sachauseinandersetzung veranlassen. Im Gegensatz zu Oberflächenmerkmalen wie Sozialformen kommt es auf Tiefenstrukturen an, insbesondere auf die Tiefe der Verarbeitung. Das Konzept entstand in der empirischen Unterrichtsforschung (TIMSS, COACTIV) und wird heute neben effizienter Klassenführung und unterstützendem Unterrichtsklima als Basisdimension lernförderlichen Unterrichts anerkannt. Empirische Forschung erfolgt durch Videoanalyse, Aufgabenanalyse oder retrospektive Befragungen. Zentrale Strategien kognitiver Aktivierung sind herausfordernde Aufgaben, kognitive Konflikte, Explikation von Denkprozessen, kontroverse Diskurse und inhaltliche Querverbindungen. Entscheidend ist, dass Lehrkräfte Schülerinnen und Schülern zutrauen, sich mit bildsamen Inhalten abzuarbeiten, wobei angemessene Unterstützung Überforderung verhindern muss.