Das Konzil von Konstantinopel (381) wird häufig nur mit seinem Glaubensbekenntnis assoziiert, hat aber darüber hinaus nachhaltige kirchengeschichtliche und theologische Prozesse eingeleitet. Im Kontext der pro-nizänischen Wende unter Kaiser Theodosius I. versammelten sich etwa 150 Bischöfe, um die Trinitätslehre synodal zu bestätigen und gegen die Pneumatomachen die Göttlichkeit des Heiligen Geistes zu bekräftigen. Das Konzil formulierte das Nicaeno-Constantinopolitanum, das Elemente eines antiochenischen Symbols, eines römischen Bekenntnisses und der ursprünglichen Nicaena zusammenführte. Besondere Bedeutung hatte Canon 3, der dem Bischof von Konstantinopel einen Vorrang der Ehre nach dem Bischof von Rom zusprach und damit die ekklesiologische Stellung des Bischofs aufwertete. Das Glaubensbekenntnis blieb zunächst etwa 70 Jahre lang praktisch unbekannt, bis es auf dem Konzil von Chalcedon (451) zitiert wurde. Dieses Zitieren diente als Präzedenzfall für die Fortschreibung von Glaubensformeln bei neuen theologischen Herausforderungen, was zur Entwicklung einer westlich-lateinischen Konzilstheorie führte. Die östlichen Kirchen vertreten hingegen bis heute die Position der kyrillischen Synode von Ephesus (431), dass der Wortlaut des Nicaena nicht anzutasten sei. Die liturgische Rezeption des Nicaeno-Constantinopolitanum unterschied sich regional erheblich: Im Osten wurde es rasch in die Liturgie aufgenommen, während es im Westen erst im 11. Jahrhundert in den römischen Messritus Eingang fand. Das "Filioque" entwickelte sich dabei zu einem zentralen Unterscheidungsmerkmal zwischen östlichen und westlichen Traditionen. Evangelische Kirchen modifizierten das Bekenntnis wiederum durch die Ersetzung von "Kirche" durch "christlich". Der Artikel unterstreicht somit die didaktische Relevanz des Konzils für das Verständnis von Dogmenentwicklung, Konzilstheorie und konfessionellen Unterschieden.