Der Artikel von Matthias Gronover analysiert Kreativität als zentrales Konzept der Religionspädagogik, das bislang theoretisch unterbestimmt und inflationär verwendet wird. Kreativität wird als Umgang des Menschen mit der Schöpfung definiert, bei dem aus Bestehendem Neues entsteht und der Mensch durch kreatives Handeln zu sich selbst findet. Das Grundproblem aller Kreativitätsvorstellungen liegt darin, wie aus Altem Neues entstehen kann. Platons Konzeption versteht Kreativität als Kontingenzbewältigung zwischen den Polen von Mangel und Fülle, wobei das Neue zwar durch das Alte bedingt, aber nicht zwingend aus ihm ableitbar ist. Die biblische Perspektive beschreibt Kreativität in doppelter Relativität zwischen Gott und Schöpfung: Gottes Handeln schafft Ordnung im Chaos, sowohl durch das Wort als auch durch handwerkliche Tätigkeit. Im Johannesprolog wird betont, dass Gottes Initiative die Voraussetzung für menschliches kreatives Handeln bildet. Der Mensch erhält die Fähigkeit zur Kreativität als Begabung, kann aber deren Bedingungen nicht selbst erzeugen. Kreativität in christlicher Perspektive ist die Fähigkeit des Menschen, innerhalb von Gottes Schöpfung selbst zum Guten wie zum Bösen Neues zu schaffen. Das Konzept der creatio ex nihilo verdeutlicht, dass alle Hervorbringungen in Relation zum Schöpfer stehen. Für die Religionspädagogik ist entscheidend, dass Kreativität nicht auf Unterrichtsmethoden reduziert werden darf, sondern als existenzielle Dimension menschlichen Handelns verstanden werden muss, die in theologischer Reflexion verankert ist.