Der Artikel behandelt die Kulturanthropologie als ein Forschungsfeld der Sozial- und Kulturwissenschaften, das sich mit religiösen Phänomenen befasst. Nach einer Klärung des Begriffs und seiner internationalen Varianten (Ethnologie, Europäische Ethnologie, Social Anthropology, Cultural Anthropology) wird die Religionsethnologie als spezifischer Zugang zur kulturwissenschaftlichen Religionswissenschaft vorgestellt. Diese Disziplin fokussiert auf religiöse Praktiken in ihrem gesellschaftlichen Kontext und auf das Spannungsverhältnis zwischen gelebter Praxis und religiöser Lehre. Ein wichtiges Merkmal ist die Privilegierung der Perspektive von Laiengläubigen und die Aufmerksamkeit für konkurrierende religiöse Spezialisten. Der Ansatz lehnt homogene Religionskonzepte ab und erkennt an, dass religiöses Leben durch Überlagerungen und scheinbare Widersprüche gekennzeichnet ist, die Menschen nicht als problematisch empfinden. Historisch konzentrierte sich die Religionsethnologie zunächst auf mündlich tradierte, "indigene" Formen außerhalb akademischer Zuständigkeitsbereiche, hat sich aber zu einer breit angelegten Disziplin entwickelt. Die zentrale Methode ist die ethnologische Feldforschung, die darauf abzielt, fremde Kulturen in ihrer Eigenlogik zu verstehen. Gegenwärtig entwickelt die Religionsethnologie Theorien mittlerer Reichweite zu Phänomenen wie Ritualen, (Un)Reinheit und Embodiment religiösen Wissens, ohne sich territorial oder konfessionell abzugrenzen.