Der Artikel von Uta Pohl-Patalong analysiert die zentrale Rolle von Lernenden und Lehrenden in der Religionspädagogik und stellt vier grundlegende Fragen zur Bedeutung dieser Kategorien. Lernen wird als selbsttätiger, interaktiver Prozess definiert, der ohne aktive Beteiligung nicht möglich ist, während Lehren als organisiertes und strukturiertes Angebot von Lerngelegenheiten verstanden wird. Das Verhältnis zwischen Lehren und Lernen ist asymmetrisch: Lehren ist auf Lernen bezogen, führt aber nicht automatisch zum Erfolg. Der Artikel differenziert drei idealtypische lerntheoretische Positionen: das behavioristische Modell (Lernen durch Reiz-Reaktion), das kognitionspsychologische Modell (Informationsverarbeitung) und das konstruktivistische Modell (eigenständige Verarbeitung von Impulsen). Diese Positionen lassen sich bis in die Antike zurückverfolgen und prägen unterschiedliche Rollen von Lehrenden und Lernenden. Aus religionspädagogischer Perspektive liegt das konstruktivistische Modell besonders nahe, da die Lehrenden hier als Mediatoren fungieren und beide Seiten sich im Dialog verändern. Ein entscheidender Unterschied der Religionspädagogik zu allgemeiner Pädagogik liegt in der transzendenten Dimension: Neben der grundlegenden Unberfügbarkeit des Menschen durch den Menschen und der Brechung durch Gruppenkonstellation kommt in religiösen Lernprozessen eine zusätzliche theologische Brechung durch die transzendente Realität hinzu, die Glauben als Lerngegenstand grundlegend relativiert.