Maria Montessori begründete eine Pädagogik, die auf hoher Wertschätzung der Person, Selbstbestimmung und kosmischer Erziehung basiert. Religion besitzt in ihrem Denken fundamentale Bedeutung und äußert sich maßgeblich in ihrer Anthropologie und Weltanschauung als Schöpfung. Die Montessori-Pädagogik wird von Teilen ihrer Rezipienten als Religionspädagogik betrachtet, wobei erste Überlegungen bereits 1909 grundgelegt wurden und sich ab 1916 in Barcelona zu einem expliziten Konzept religiöser Erziehung entwickelten. Montessoris persönliche Entwicklung war eng mit ihrem katholischen Glauben verbunden; biographische Ereignisse wie ihre uneheliche Mutterschaft und der Mutter-Tod sowie Erfahrungen im ersten Casa dei Bambini führten ab 1906 zu einer intensiveren religiösen Hinwendung. Sie war ab 1899 Mitglied der Theosophischen Vereinigung, was zu kontroversen Diskussionen führte, inwieweit ihre Pädagogik von katholischen oder theosophisch-religiösen Gedanken inspiriert ist. Ab 1922 entstanden explizite religionspädagogische Texte, in denen Montessori ihre allgemeinen Erziehungsprinzipien auf die religiöse Erziehung übertrug und diese als Erfüllung ihres pädagogischen Denkens betrachtete. Ihre Schriften zeigen eine starke biblische Metaphorik, missionarische Gedanken der Weltverbesserung durch Pädagogik und eine tiefe Bindung an das Christentum. Montessori charakterisiert sich als liberale katholische Christin, die den göttlichen Willen und religiöse Offenbarung in persönlichen Schicksalsschlägen erkennt. Mit ihrem 1944 verfassten Gebet ordnete sie ihr Denken in einen weiten religiösen Horizont ein, das von jedem Menschen, auch Nichtgläubigen, gesprochen werden konnte. Die Anthropologie des Kindes und die daraus folgende Haltung der Erziehungsperson haben maßgeblichen Stellenwert in ihrer Pädagogik, da Bildung als Selbstbildungsprozess durch Wahrnehmung und Erforschung der Lebensumwelt verstanden wird.