Martina Steinkühler untersucht in ihrem Artikel die didaktische Relevanz der Mose-Geschichte für Grundschüler. Sie setzt dabei mit einer empirischen Studie zum Bibelwissen von Schülern an, die zeigt, dass Mose mit 50,7% die am häufigsten spontan genannte Bibelgeschichte ist. Der Artikel argumentiert, dass Kinder in der Mose-Geschichte ihre eigenen Beziehungserfahrungen innerhalb von Familie, Schule und wachsendem sozialen Umfeld gespiegelt finden. Die Kindheitsgeschichte des Mose funktioniert für junge Kinder wie ein Märchen, das Urängste bewältigt und Urvertrauen aufbaut. Die Plagen und Befreiung entsprechen dem Gerechtigkeitsempfinden von Grundschülern, indem das Gute sichtbar triumphiert. Die Figur des Mose als unfreiwilliger, auf Unterstützung angewiesener Anführer ermöglicht Identifikation mit realistischen Herausforderungen wie Langmut und Beharrlichkeit. Besondere Beachtung findet die Rolle Mirjams als eigenständige, aktive Figur in der Rettungsgeschichte. Das komplexe Verhältnis zwischen Mose und seinen Geschwistern bildet realistische Familienstrukturen ab. Die Gotteserfahrung des Mose am Dornbusch ermöglicht es Kindern, ihr eigenes Gottesbild zu entwickeln und die Differenziertheit Gottes (Nähe und Ferne, Güte und Unerbittlichkeit) zu erkunden. Der Gott der Mose-Geschichten wird als Befreier der Unterdrückten dargestellt, was besonders Kindern mit Marginalisierungserfahrungen Trost bietet. Gleichzeitig fordert die Geschichte Grundschüler heraus, die simplen Gut-Böse-Schemata zu überwinden und Perspektivwechsel sowie Empathie zu entwickeln. Der Artikel betont, dass Kinder lernen, die ambivalenten und dunklen Seiten Gottes in ihr Weltbild zu integrieren.