Bernhard Grümme untersucht in seinem Artikel den Begriff der Öffentlichkeit als zentrale Herausforderung für die zeitgenössische Religionspädagogik. Er konstatiert einen wachsenden Trend des "public turn" in den Wissenschaften, der auch Theologie und Religionspädagogik erfasst. Dabei stellt sich die Frage, wie wissenschaftliche Expertise in die Öffentlichkeit vermittelt werden kann, ohne ihre Substanz zu verlieren. Grümme argumentiert, dass der Singular "Öffentlichkeit" verfehlt ist, da in funktional ausdifferenzierten Gesellschaften distinct Teilöffentlichkeiten existieren, die sich überlappen, in Konflikt stehen oder isoliert nebeneinander existieren. Die traditionelle binäre Unterscheidung von öffentlich und privat ist grundlegend, wobei das Private als Schutzraum lebensweltlicher Freiheiten und Voraussetzung für demokratische Partizipation fungiert. Für die Religionspolitik ist diese Differenzierung entscheidend, denn es macht einen wesentlichen Unterschied, ob Religion einen universalen Geltungsanspruch hat, sich auf zivilgesellschaftlicher Ebene ansiedelt oder in den privaten Raum gedrängt wird. Grümme plädiert dafür, verschiedene Teilöffentlichkeiten wie Medienöffentlichkeit, kirchliche, politische und schulische Öffentlichkeiten analytisch zu unterscheiden. Ein adäquater Öffentlichkeitsbegriff muss sich mit den prekären Zusammenhängen von Differenz und Gleichheit sowie von Normativität und Macht auseinandersetzen und dabei ideologiekritisch selbstreflexiv sein. Der Artikel skizziert verschiedene prominente Öffentlichkeitstheorien, besonders Habermas' einflussreiche Theorie, um für die öffentliche Religionspädagogik einen theoretisch fundierten und praktisch anwendbaren Öffentlichkeitsbegriff zu entwickeln.