Der Artikel analysiert die kirchengeschichtliche Entwicklung der ökumenischen Bewegung und deren didaktische Relevanz. Der Begriff Ökumene stammt aus dem Griechischen und bedeutet die weltweite Zusammenarbeit der christlichen Kirchen, wird aber im deutschsprachigen Unterricht oft fälschlicherweise auf die evangelisch-katholische Kooperation reduziert oder mit interreligiöser Arbeit verwechselt. Die ökumenische Bewegung entstand am Anfang des 20. Jahrhunderts aus vier distinktiven Strömungen: Erstens die Missionskonferenz von Edinburgh (1910) unter John Mott, die konfessionelle Konkurrenz im Missionsfeld überwinden sollte und zum Internationalen Missionsrat führte. Zweitens die Britisch-Deutsche Freundschaft (1907/1908), die sich zum Weltbund für Freundschaftsarbeit der Kirchen entwickelte und als spiritueller Völkerbund fungierte. Drittens der von Nathan Söderblom initiierte Rat für Praktisches Christentum (Life and Work, 1925), der konfessionell gemischte Hilfsprojekte zur Überwindung sozialer Ungerechtigkeit förderte. Viertens die von Charles Brent gegründete Bewegung Glaube und Kirchenverfassung (Faith and Order, 1927), die dogmatische Fragen ansprach und mit dem Dokument Taufe, Eucharistie und Amt (1981) wichtige Konsense schuf. Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte 1948 die Institutionalisierung dieser Bewegungen im Ökumenischen Rat der Kirchen mit Sitz in Genf, der als Koordinierungsorgan kirchlicher Zusammenarbeit fungiert. Besonders unter Generalsekretär Philip Potter (ab 1972) wurde die ökumenische Agenda um Themen wie Gerechtigkeit, Armutsbekämpfung und Dekolonisierung erweitert. Der Artikel zeigt, dass die ökumenische Bewegung sowohl kirchengeschichtlich als auch für die religiöse Bildung von großer Bedeutung ist und Schülerinnen und Schülern regelmäßig in ökumenischen Schulgottesdiensten und Aktionen begegnet.