Die muslimische Pilgerfahrt (Hadsch) blickt auf eine Geschichte zurück, die in vorislamische Zeiten vor 610 n. Chr. reicht, als die Orte Arafat, Muzdalifa und Mina bereits Schauplätze von rituellen Handlungen waren. Mit seiner Abschiedswallfahrt 632 n. Chr. prägte der Prophet Muhammad diese vorhandenen Praktiken islamisch um und etablierte die heute gültigen Rituale, die eine Verbindung zur Kaaba als Heiligtum herstellen. Mekka, ursprünglich eine regionale Handelsstadt mit religiöser Vielfalt, wurde durch die Quraisch zum Wallfahrtszentrum entwickelt und erhielt später eine zentrale Rolle in der islamischen Theologie. Die Besucherzahlen der Hadsch haben sich dramatisch entwickelt und sind erst seit dem 20. Jahrhundert zuverlässig dokumentiert, wobei die moderne Hadsch regelmäßig über zwei Millionen Pilger anzieht. Die Organisation der Pilgerfahrt obliegt seit etwa dem 9. Jahrhundert den Herrschern der Mekka-Region, heute der saudi-arabischen Regierung, die enorme logistische Herausforderungen bewältigen muss. Der Artikel betont, dass die Hadsch nicht nur religiöse, sondern auch soziale, handelsmäßige und wissenschaftliche Funktionen erfüllt hat und als Angelpunkt religiöser Identität für Muslime fungiert. Die historische Analyse zeigt, dass wissenschaftliche Rekonstruktion der vorislamischen Praktiken aufgrund von Quellenlage und theologischer Überformung schwierig ist. Das Gemeinschaftserlebnis während der Pilgerfahrt und die daraus resultierende Solidarität haben die Hadsch zu einem präägenden Phänomen der islamischen Welt gemacht.