Der Artikel untersucht die bisher marginale Rolle der politischen Dimension in der deutschsprachigen Religionspädagogik und begründet, warum eine intensive Beschäftigung damit heute notwendig ist. Könemann definiert das Politische zunächst mit Hannah Arendt als umfassender Weltbezug des Menschen und zeigt dann konkrete Gründe auf, warum Religionspädagogik nicht apolitisch sein kann: Der Status von Kirchen als Körperschaften öffentlichen Rechts, die gesellschaftlichen Veränderungen des religiösen Feldes (Säkularisierung, Pluralisierung, Aufstieg des Islam), sowie die gestiegene öffentliche Bedeutung von Religion führen zu religionspolitischen Auseinandersetzungen, insbesondere im Bereich der Bildungspolitik. Ein weiterer Grund liegt in der Governance-Debatte der Politikwissenschaft, die zeigt, dass nicht-staatliche Akteure wie Kirchen durch neue Kooperationsformen strukturell in politische Gestaltungsprozesse eingebunden sind und als Teil der Zivilgesellschaft politische Bedeutung erlangen. Historisch wurde religiöse Erziehung zur Stabilisierung der vorgegebenen gesellschaftlichen Ordnung instrumentalisiert, ohne dass dies reflektiert wurde. In den 1950er-1960er Jahren beschäftigten sich einige Autoren mit der Frage nach politischer Bildung im Religionsunterricht und der theologischen Begründung von Demokratie, aber diese Diskussionen blieben marginal und wurden nicht zum Mainstream der Religionspädagogik. Könemann argumentiert für eine explizite theoretische Bestimmung einer Politischen Religionspädagogik, die die politischen Dimensionen religionspädagogischer Praxis und Theorie systematisch reflektiert.