Der finnische Religionsunterricht wurde in den 1860er Jahren als Schulfach etabliert und basiert auf einer seit den 1920er Jahren entwickelten rechtlichen Grundlage. Das System verbindet Religionsfreiheit mit dem Prinzip der Nicht-Konfessionalität öffentlicher Schulen. Religiöse Erziehung wird 'nach eigener Religion' erteilt, was bedeutet, dass Schüler ihre eigene Tradition kennenlernen, ohne dass Bekehrungsziele oder Andachtselemente enthalten sind. Acht verschiedene denominationsspezifische Lehrpläne sind im Einsatz, entwickelt von der Nationalen Bildungsbehörde unter Beteiligung von Religionsvertretern. Die Lehrerqualifikation basiert auf Pädagogik mit religiösen Studien, nicht auf Religionszugehörigkeit. Didaktisch wurde der finnische Religionsunterricht von deutschen kontextualisierten und britischen existenzialistischen Ansätzen beeinflusst und betont integrative Praktiken, kritisches Denken und ganzheitliches Wissen. Das segregierte denominationsbasierte Modell sieht parallelen Religionsunterricht vor, wenn mindestens fünf Schüler einer Religionsgemeinschaft anwesend sind. Aktuelle Herausforderungen sind Mangel an qualifizierten Lehrern in Minderheitsreligionen, Motivationsprobleme bei lutherischen Lehrern, organisatorische Probleme durch parallele Unterrichte und eine zunehmende Abkehr von objektiver Religionsvermittlung hin zu kulturalisierter Darstellung. Eine problematische Entwicklung ist die schulbasierte Integration von Religionsunterricht ohne ausreichende rechtliche oder wissenschaftliche Grundlagen, während die neue Oberstufencurricula kulturelle Religionsaspekte stärker betonen.