Die Religionswissenschaft versteht sich als kulturwissenschaftliche Disziplin, die Religion empirisch, historisch und systematisch erforscht. Traditionell wird zwischen historischer Religionswissenschaft, die konkrete geschichtliche Religionsformen untersucht, und systematischer Religionswissenschaft, die theoretische und methodische Fragen stellt, unterschieden. Daneben existieren interdisziplinäre Bereiche wie Religionssoziologie, Religionspsychologie und Religionsethnologie sowie neuere Subdisziplinen wie Religionsästhetik, Religionsökonomie und Ritual-Studien. Die moderne Religionswissenschaft versteht sich als Teil der Kulturwissenschaften und folgt dem sogenannten cultural turn, wonach Kultur als komplexes Feld sozialer Handlungen und Machtprozesse verstanden wird. Dies ermöglicht neue Perspektiven auf Religion, indem nicht nur religiöse Hochkultur, sondern auch Alltags-, Migrations- und Gegenwartskultur sowie religiöse Minderheiten untersucht werden. Ein grundlegendes Problem der Religionswissenschaft ist die Definition ihres Gegenstands Religion selbst, da dieser Begriff weder eindeutig noch universell definierbar ist. Gesellschaftliche Debatten über Religion zeigen, dass der Religionsbegriff hochgradig politisiert und umstritten ist und oft um Deutungshoheit kreist. Der Religionsbegriff ist kontextuell und geschichtlich geprägt, kontingent und wandelbar, weshalb seine Bestimmung wesentlich von gesellschaftlichen Diskursen abhängt.