Das Rollenspiel ist eine dramapädagogische Technik, die eine spielerische Interaktion ermöglicht, bei der Teilnehmende in Rollen schlüpfen und verschiedene Perspektiven einnehmen. Nach Reich vollzieht sich beim Rollenspiel eine dreifache Rollenübernahme: Die Person ist gleichzeitig Akteur, Gruppenmitglied und Beobachter. Der didaktische Ertrag liegt in der unmittelbaren Spielerfahrung sowie in der anschließenden Reflexion und Analyse des Erlebten. Bielefeldt beschreibt dies als Symbiose von Spielen und emotionalen Erfahrungen einerseits sowie kognitiven Diskussionsprozessen andererseits. Im Religionsunterricht erfüllt das Rollenspiel zentrale Funktionen, da es konstruktivistische Lernprinzipien umsetzt und Schülerinnen und Schüler als suchende und glaubende Menschen ernst nimmt. Die Methode fördert Kreativität, Körperbewusstsein, Sprachfähigkeit und Selbstbewusstsein sowie kooperative Fähigkeiten. Sie ermöglicht die spielerische Aufarbeitung von Verhalten und das Erproben von Handlungsalternativen. Biblische Geschichten können durch nachspielende Vergegenwärtigung neu erschlossen werden, wobei Rollenspiele zu theologischen Diskussionen führen können, die Gottesbilder und Weltvorstellungen aufbrechen. Die Spielleitung erfordert große Offenheit und Sicherheit im Umgang mit der Methode sowie die Fähigkeit, als Animator, Mitspieler und Gesprächspartner aktiv einzugreifen. Das Rollenspiel kann zur Bearbeitung biblischer, lebensweltlicher, kirchenhistorischer, ethischer und interreligiöser Inhalte genutzt werden, wobei bei biblischen Texten eine religionspädagogisch reflektierte Methodik erforderlich ist.