Der Artikel analysiert Sabbat, Sonntag und Freitag als religiöse Ruhetage der monotheistischen Religionen vor dem Hintergrund gegenwärtiger gesellschaftlicher Beschleunigung. Leo J. O'Donovan prägt das Konzept des Sabbat als "transfunktionalistisches Paradox", das durch die Aufhebung des Zwangs zur Nützlichkeit dem Nutzenkalkül selbst eine neue Perspektive eröffnet. Der 7-Tage-Rhythmus des Sabbat basiert nicht auf natürlichen Zyklen wie der Festkalender, sondern allein auf theologischer Begründung durch Gottes Ruhe am siebten Schöpfungstag. Die Sabbatpraxis gilt als "identity marker" des auserwählten Gottesvolkes und unterscheidet das Judentum von seinen Nachbarreligionen, obgleich Parallelen zu mesopotamischen und kanaanäischen Mondkulten bestehen. Die historische Exegese vermutet, dass die Arbeitsruhe als religiöse Abgrenzung von Kanaan entstand und spätestens seit dem Exil (6. Jahrhundert v.d.Z.) normativ im Dekalog verankert wurde. Das Sabbatgebot verbindet theologische Motive wie die Erinnerung an Gottes Schöpfermacht mit anthropologischen Motiven wie Ruhepause und sozialer Gerechtigkeit. Der Artikel betont die Relevanz dieser Thematik für religiöse Bildung, insbesondere für die Erfahrung von Zeit in der Dialektik von Kontinuität und Unterbrechung. Das Verhältnis von vita activa und vita contemplativa wird als zentrale Frage für die Humanisierung der Gesellschaft diskutiert. Die Sabbatpraxis wird bis in die gegenwärtige jüdische Glaubenspraxis hinein durch den zentralen jüdischen Imperativ des Erinnerns (zachor) begründet. Bereits alttestamentliche Texte zeigen die Spannung zwischen wirtschaftlichen Notwendigkeiten und der bedingungslosen Einhaltung des Ruhetags, ein Konflikt, der bis heute prägt. Der Artikel plädiert für die Verankerung dieser Thematik in interreligiösen Lernprozessen auf sowohl aufklärend-sachkundlicher als auch qualitativer Ebene religiöser Selbstbildung.