Der Artikel von Carolin M. Altmann untersucht systematisch drei staatlich und kirchlich zugelassene Religionsbuchreihen für evangelischen Religionsunterricht an deutschen Grund- und Förderschulen. Schulbücher werden hier nicht nur als Material für Schüler verstanden, sondern auch als Ressource für Lehrkräfte, weshalb der Analyse neben den Schulbüchern auch Begleitmaterialien wie Lehrkräftehandreichungen und Arbeitshefte zugrunde liegen. Die drei analysierten Reihen (2018-2024 erschienen) repräsentieren aktuelle Trends im evangelischen Religionsunterricht. Methodisch folgt die Analyse einem dreistufigen Modell: die Makroebene untersucht die grundlegende Konzeption und das Menschenbild, die Mesoebene analysiert Kapitelstruktur und Themennetzung, die Mikroebene betrachtet ästhetische Gestaltung und Aufgabentypen. Der Artikel verdeutlicht, dass die Schulbuchreihen verstärkt von einem 'Traditionsabbruch' ausgehen, wonach Kinder keine oder geringe religiöse Vorerfahrungen mitbringen. Ein zentrales Konzept ist die Fragenorientierung, durch welche Kinder eigenständig zu Positionen gelangen sollen. Zwei illustrierte Identifikationsfiguren begleiten die Lernenden als Vorbilder. Trotz des Anspruchs auf Offenheit zeigen sich implizit christliche Erwartungshaltungen, etwa wenn Kinder pauschal ihre Taufsprüche gestalten sollen. Der Artikel offenbart damit eine Spannung zwischen dem expliziten Anspruch auf Subjektorientierung und offene Positionierungsprozesse sowie impliziten religionssozialisierenden Intentionen.