Der Artikel untersucht das Spiel als fundamental menschliche Erfahrung, die bereits bei Johan Huizinga als Ursprung von Kultur gilt. Die Autoren konstatieren, dass Spielen sich einer präzisen Definition entzieht (Definitionsresistenz), wie Wittgensteins Sprachspiel-Konzept zeigt. Statt einer starren Definition schlagen sie vor, das Spiel durch mehrere Spannungsfelder zu charakterisieren: Freiwilligkeit versus Verpflichtung, Regelhaftigkeit versus Offenheit, Reproduktion versus Variation, Separierung versus Beziehung, Müßiggang versus Ernst sowie Virtualität versus Realität. Historisch waren monotheistische Religionen spielfeindlich geprägt durch den Ernst der Ewigkeit, doch seit dem Mittelalter gewinnen liturgische Spiele an Bedeutung. Die moderne Theologie, angestoßen durch Harvey Cox' Theologie des Spiels und Jürgen Moltmann, reflektiert Spiel systematisch, exegetisch und praktisch-theologisch. Biblisch wird Spiel mit dem Schöpfungsmotiv, der Weisheit Gottes und dem befreiten Menschen verbunden; im Neuen Testament hat es christologische Qualität als Zeichen der Befreiung von Leistungsdruck. Pädagogisch-historisch wird Spiel seit Comenius und besonders Fröbel als zentrales Bildungsmedium anerkannt und von der Reformpädagogik als Medium der Selbstentfaltung gewertet. Die Autoren identifizieren eine Spannung zwischen der geforderten Zweckfreiheit des Spiels und seiner pädagogischen Funktionalisierung in schulischen Kontexten. Insgesamt wird Spiel als flexibel gebundenes Phänomen verstanden, das in allen Lebensphasen Bildung und religiöse Erfahrung ermöglicht.