Der Artikel behandelt den Tenach als corpus heiliger Schriften, das aus den drei Schriftengruppen Tora (Weisung), Neviim (Propheten) und Chetuvim (Schriften) besteht und ein zentraler Lerngegenstand für interreligiöses Lernen im Religionsunterricht ist. Im Unterschied zur christlichen Bibelwahrnehmung bildet die Tora in der jüdischen Hermeneutik den absoluten Mittelpunkt, während christliche Traditionen diese als Pentateuch in Geschichtsbücher integrieren. Die jüdische Auslegung konzentriert sich primär auf Rechtssammlungen und kultische Beschreibungen, nicht auf narrative Passagen, und versteht die Tora als regulativer Ort der Gott-Israel-Beziehung. Die mündliche Tora (Mischna und Talmud) sichert die Alltagsrelevanz der schriftlichen Tora besonders nach der Tempelzerstörung. Ritual und Liturgie sind zentral: Die 54 Paraschijjot werden in Synagogengottesdiensten kantilliert, sodass die gesamte Tora jährlich rezitiert wird, was eine ganz andere Rezeptionspraxis als im Christentum schafft. Das Medium der handgeschriebenen Torarolle besitzt rituelle Bedeutung und unterstützt lineare Rezeption; ihre Herstellung, Aufbewahrung und kultische Verwendung sind Lerngegenstand. Bar Mizwa bzw. Bat Mizwa stellen Lernanlasse dar, bei denen Jugendliche Toraabschnitte auf Hebräisch vortragen. Eine interreligiös konzipierte Didaktik sensibilisiert Schülerinnen und Schüler für die Besonderheiten des Tenach und lenkt den Blick zurück auf die Eigenheiten der christlichen und muslimischen Traditionen. Zentrale didaktische Fragen ergeben sich aus dem Verständnis von Ganzschrift statt Einzelperikopen, der Rolle des Sprachklangs, dem Auswendiglernen, und dem Verhältnis von religiöser Überlieferung und Lebensführung. Die fünfbändige Toraausgabe für Kinder von Liss und Landthaler orientiert sich an den Paraschijjot und macht auch halachisch relevante Teile zugänglich, wodurch neue Möglichkeiten für Ganzschriftenlektüren im christlichen Religionsunterricht entstehen.