Magdalene Louise Charlotte von Tiling wurde 1877 in Riga geboren und zählt zu den bedeutendsten Frauen des konservativen evangelischen Protestantismus der 1920er Jahre. Nach ihrer Ausbildung als Lehrerin und dem Oberlehrerinnenexamen 1909 arbeitete sie ab 1909 als Studienrätin am Elberfelder Oberlyzeum, wo sie ab 1911 als Oberin das Frauenschule- und Kindergartenseminar mit leitete. Seit 1906 engagierte sie sich in der Konferenz von Religionslehrerinnen, einer orthodoxen und biblisch-bekenntnismäßig orientierten Vereinigung, und übernahm 1916 bis 1939 den Vorsitz des Nachfolgeverbandes der evangelischen Religionslehrerinnen. In dieser Funktion war sie als Redakteurin des Verbandsorgans "Schule und Evangelium" sowie als Vortragende tätig. Nach 1918 erkannte sie in der Weimarer Demokratie trotz ihres monarchistischen Weltbildes die Chance für Frauenbeteiligung und gründete 1918/19 die DNVP in Elberfeld mit. Sie wurde zur Stadtverordneten gewählt und zog 1921 als Abgeordnete der DNVP in den preußischen Landtag ein. Dort setzte sie sich als Mitglied des Präsidiums des Evangelischen Ausschusses für die Bekenntnisschule und einen biblisch fundierten Religionsunterricht gegen liberale Reformvorschläge ein. Ihre wichtigsten theoretischen Arbeiten entstanden in den 1920er Jahren in Berlin und behandelten die Neubestimmung von Geschlechterverhältnissen, das Verhältnis von Theologie und Pädagogik sowie das Konzept einer wissenschaftlichen Pädagogik auf reformatorischer Grundlage, inspiriert durch Friedrich Gogartens Theologie. Ihre Krisenwahrnehmung der Weimarer Zeit prägte ihre theologische und politische Arbeit grundlegend.