Für den Religionsunterricht eignet sich das Medium besonders für Unterrichtseinheiten zu Kirche, Apostelgeschichte, Heiliger Geist, Pfingsten, Ämtern, Partizipation, Demokratie, Macht und kirchlichen Veränderungsprozessen. Aufgrund seiner theologischen und teilweise kirchenpolitischen Argumentation ist der Text vor allem für die Sekundarstufe II geeignet. Einzelne Abschnitte können jedoch didaktisch reduziert auch in höheren Klassen der Sekundarstufe I verwendet werden. Als Einstieg bietet sich die Leitfrage an, wer eigentlich Kirche ist und wer in einer Kirche Entscheidungen treffen sollte. Die Lernenden können zunächst eigene Vorstellungen von Kirche sammeln und diese beispielsweise den Modellen Institution, Gemeinschaft und Volk Gottes zuordnen. Wichtig ist dabei, zwischen der Beschreibung biblischer Gemeindestrukturen und heutigen Vorstellungen von Demokratie zu unterscheiden. Der Beitrag selbst weist darauf hin, dass es weniger auf die Bezeichnung demokratisch als auf die darin erkennbaren Impulse zu gemeinsamer Verantwortung ankommt. Für eine arbeitsteilige Erschließung eignen sich besonders Apg 1, Apg 2, Apg 6, Apg 13 und Apg 15. Verschiedene Gruppen können jeweils untersuchen, welche Herausforderung vorliegt, wer beteiligt ist, wie eine Entscheidung zustande kommt, welche Rolle die Gemeinde spielt und welche Bedeutung dem Heiligen Geist zugeschrieben wird. Die Ergebnisse können anschließend in einem gemeinsamen Schaubild zum lukanischen Kirchenverständnis zusammengeführt werden. Einen besonderen Schwerpunkt sollte Apg 6 bilden. Die Lernenden können nachvollziehen, dass das Wachstum der Gemeinde Konflikte hervorruft und bestehende Strukturen deshalb verändert werden. Dabei lässt sich die zentrale Aussage des Beitrags herausarbeiten, dass Strukturen dem Auftrag dienen und nicht umgekehrt. Methodisch kann dazu eine Fallanalyse eingesetzt werden: Eine fiktive Gemeinde steht vor einer neuen Herausforderung und die Lernenden entwickeln mögliche Entscheidungsverfahren. Anschließend vergleichen sie ihre Lösungen mit dem in Apg 6 beschriebenen Vorgehen. Apg 15 eignet sich besonders für eine vertiefte Beschäftigung mit Konfliktkultur. Die Lernenden können den Entscheidungsprozess rekonstruieren und Kriterien für einen fairen Umgang mit Meinungsverschiedenheiten formulieren. Dabei werden das gemeinsame Beraten, das Anhören unterschiedlicher Positionen, die Suche nach einem Kompromiss und die Beteiligung der Gemeinschaft sichtbar. Für eine handlungsorientierte Vertiefung kann eine Gemeindekonferenz simuliert werden, in der die Lernenden unterschiedliche Rollen übernehmen und eine strittige Frage gemeinsam beraten. Im Anschluss sollte reflektiert werden, wer sprechen durfte, welche Argumente Gewicht erhielten, wie Macht verteilt war und wodurch ein Beschluss Akzeptanz gewinnen konnte. Auch die Bedeutung des Heiligen Geistes kann als eigene theologische Fragestellung erschlossen werden. Nach Neuberth ist die Geistgabe nicht auf einzelne herausgehobene Personen beschränkt, sondern wird als Gabe an die gesamte Gemeinschaft verstanden. Daraus leitet der Beitrag eine grundlegende Gleichberechtigung und gemeinsame Ermächtigung des Volkes Gottes ab. Die Lernenden können diskutieren, wie sich religiös verstandene Geistbegabung und institutionelle Entscheidungsverfahren zueinander verhalten. Für ältere Lernende ist zudem ein Vergleich mit heutigen kirchlichen Strukturen sinnvoll. Dabei sollte der Beitrag nicht als neutrale Darstellung gegenwärtiger Kirchenverfassungen gelesen werden, sondern als theologisch begründete Position, die aus der Apostelgeschichte Impulse für stärkere Beteiligung gewinnt. Die Lernenden können deshalb Argumente des Autors identifizieren, seine Deutung biblischer Texte prüfen und eine eigene begründete Position entwickeln. Als Abschluss eignet sich die Aussage „Kein Aufbruch ohne Volk“. Die Lernenden können erläutern, was dieser Satz nach der Lektüre bedeutet, und beurteilen, welche Bedingungen eine Gemeinschaft benötigt, um Veränderungen gemeinsam zu gestalten. Das am Ende des Beitrags verwendete Verständnis von Macht als Fähigkeit gemeinschaftlichen Handelns eröffnet dabei zusätzlich eine Auseinandersetzung mit der Frage, ob Macht vor allem bei einzelnen Personen oder in einer gemeinsam handelnden Gemeinschaft liegt. Auf diese Weise verbindet das Medium biblisches Lernen mit ekklesiologischem Lernen, politischer Bildung, Konfliktfähigkeit und der Reflexion über Beteiligung und Verantwortung in Kirche und Gesellschaft.