Seit den 1980er Jahren beschäftigen sich muslimische Denker zunehmend mit Umweltfragen aus theologischer Perspektive und entwickeln daraus konkrete Handlungsansätze. Auch in Europa entstehen Initiativen, die religiöse Praxis mit ökologischem Bewusstsein verbinden. Der Artikel richtet den Blick jedoch auf Jordanien, ein Land mit extremer Wasserknappheit, die durch Klimawandel und Bevölkerungswachstum weiter verschärft wird. Wasser ist dort eine existenzielle Ressource, deren Bedeutung auch in den heiligen Schriften der monotheistischen Religionen hervorgehoben wird.
Die Versorgungslage ist angespannt, da natürliche Wasserreserven begrenzt sind und teilweise nicht erneuerbare Quellen genutzt werden. Während Menschen in ländlichen Regionen sehr bewusst mit Wasser umgehen müssen, ist der Verbrauch in Städten weniger restriktiv, obwohl auch dort Knappheit herrscht. Vor diesem Hintergrund wurde ein Projekt initiiert, das staatliche Wasserpolitik mit religiösen Institutionen verbindet. Ziel ist es, religiöse Überzeugungen für nachhaltiges Handeln nutzbar zu machen.
Im Zentrum steht die theologische Deutung von Wasser als Grundlage allen Lebens, wie sie im Koran formuliert wird. Daraus wird eine ethische Verantwortung des Menschen für den Schutz der Schöpfung abgeleitet. Islamisches Recht behandelt zudem Fragen der gerechten Verteilung von Ressourcen und setzt Grenzen für privaten Besitz von Wasser. Auch religiöse Praktiken wie rituelle Waschungen werden unter dem Aspekt der Ressourcenschonung reflektiert.
Religiöse Autoritäten wie die Fatwa Behörde spielen eine wichtige Rolle bei der Vermittlung dieser Inhalte. Sie unterstützen beispielsweise die Nutzung von aufbereitetem Wasser in der Landwirtschaft, obwohl traditionelle Reinheitsvorstellungen zunächst Vorbehalte hervorrufen. Durch religiöse Legitimation können solche Innovationen gesellschaftlich akzeptiert werden. Gleichzeitig werden ethische Appelle gegen Verschwendung formuliert und mit religiösen Texten begründet.
Um die Bevölkerung zu erreichen, werden Imame geschult, damit sie in Predigten für wassersparendes Verhalten werben. Moscheen werden als Vorbilder genutzt, indem dort nachhaltige Wassernutzung praktisch umgesetzt wird. Auch Frauen nehmen eine zentrale Rolle ein, da sie im Alltag maßgeblich für den Wasserverbrauch im Haushalt verantwortlich sind. Durch religiöse Bildung werden alltägliche Tätigkeiten als moralisch bedeutsam interpretiert, wodurch ein bewussterer Umgang mit Wasser gefördert wird.
Der Artikel kommt zu dem Schluss, dass Religion zwar nicht alle Umweltprobleme lösen kann, jedoch einen wichtigen Beitrag leisten kann, indem sie ethische Orientierung bietet und Menschen zu verantwortlichem Handeln motiviert.