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Wie wirksam ist interreligiöses (Begegnungs-)Lernen?

Veröffentlichung:1.1.2022

Der Fachartikel wurde unter dem Titel: „Wie wirksam ist interreligiöses Lernen?“ verfasst und umfasst etwa 4 Seiten. Er untersucht, inwiefern interreligiöses Lernen im Religionsunterricht tatsächlich wirksam ist und welche Effekte empirisch nachweisbar sind. Zentrale theologische und religionspädagogische Probleme sind die Frage nach der Förderung von Toleranz, Perspektivenübernahme und interreligiöser Kompetenz sowie die Herausforderung, religiöse Bildung so zu gestalten, dass sie nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch Einstellungen und Haltungen verändert.

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Der Artikel setzt sich kritisch mit der Frage auseinander, ob und wie die Wirksamkeit interreligiösen Lernens überprüft werden kann. Dabei wird betont, dass gute Absichten allein nicht ausreichen, um gewünschte pädagogische Effekte zu erzielen. Obwohl interreligiöses Lernen als wichtiger Beitrag gegen Intoleranz und Vorurteile gilt, zeigt sich, dass seine tatsächlichen Wirkungen empirisch untersucht werden müssen.

Im Vergleich zur umfangreichen theoretischen Diskussion gibt es bislang nur wenige empirische Studien. Vorliegende Untersuchungen zeigen insgesamt positive Ergebnisse, insbesondere im Bereich des Wissens über Religionen und der Fähigkeit, religiöse Inhalte zu deuten. Lernende, die regelmäßig am Religionsunterricht teilnehmen, verfügen über eine höhere interreligiöse Kompetenz als solche ohne entsprechende Teilnahme.

Allerdings zeigen sich deutliche Grenzen. Die Fähigkeit zur Perspektivenübernahme ist schwer messbar und wird weniger stark gefördert als Wissen. Auch Veränderungen von Einstellungen gegenüber anderen Religionen bleiben oft aus. Dies weist darauf hin, dass schulischer Unterricht allein möglicherweise nicht ausreicht, um tiefgreifende Haltungsänderungen zu bewirken.

Ein weiteres Ergebnis ist, dass nicht alle Lernenden gleichermaßen profitieren. Unterschiede ergeben sich je nach religiöser Sozialisation, Bildungsniveau und Geschlecht. Besonders Lernende aus bildungsnahen Kontexten sowie Mädchen sprechen stärker auf interreligiöse Lernangebote an. Dies wirft die Frage auf, ob bestehende didaktische Konzepte ausreichend auf unterschiedliche Voraussetzungen eingehen. Zudem zeigt sich überraschend, dass stärker problemorientierte Zugänge teilweise wirksamer sind als subjektorientierte Ansätze.

Auch außerschulische Lernformen werden betrachtet. In der Konfi Arbeit berichten Teilnehmende zwar von wachsender Toleranz, jedoch nicht unbedingt von bewusstem Lernen über andere Religionen. Für andere non formale Kontexte fehlen bislang weitgehend empirische Untersuchungen.

Ein besonderer Fokus liegt auf dem interreligiösen Lernen durch Begegnung. Dieses gilt als besonders vielversprechend, ist jedoch kaum empirisch erforscht. Die sogenannte Kontakthypothese aus der Psychologie legt nahe, dass Begegnungen Vorurteile abbauen können, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind. Entscheidend ist dabei, dass Menschen unterschiedlicher religiöser Hintergründe gemeinsam an einem Ziel arbeiten und dabei positive Erfahrungen machen. Reine Diskussionen über religiöse Inhalte sind dagegen weniger wirksam als gemeinsames praktisches Handeln.

Abschließend wird betont, dass weitere Forschung notwendig ist, um die Wirksamkeit interreligiösen Lernens besser zu verstehen. Gleichzeitig werden Impulse für die Praxis gegeben, etwa die stärkere Einbindung gemeinsamer Projekte und kooperativer Lernformen.

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