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Interreligiöses Begegnungslernen im konfessionellen Religionsunterricht

Veröffentlichung:1.1.2018

Der Fachartikel mit dem Titel „Interreligiöses Begegnungslernen“ umfasst etwa 3 Seiten. Er thematisiert die Veränderungen von Religion in einer pluralen Gesellschaft und deren Auswirkungen auf den Religionsunterricht. Im Zentrum steht ein konkretes Unterrichtsmodell, das konfessionellen Religionsunterricht mit interreligiösem Dialog verbindet.

Der Artikel behandelt zentrale theologische Probleme wie die Frage nach unterschiedlichen Gottesvorstellungen in Christentum und Islam sowie die Theodizee Problematik, also die Frage nach Gott angesichts von Leid und Ungerechtigkeit. Zudem geht es um das Verhältnis von eigener religiöser Identität und fremden Glaubensüberzeugungen sowie um den Umgang mit bleibenden Differenzen zwischen Religionen.

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Der Artikel beschreibt, dass sich Religion in der modernen Gesellschaft durch Individualisierung, Pluralisierung und Migration stark verändert hat. Religiöse Überzeugungen lösen sich zunehmend von festen konfessionellen Bindungen, während gleichzeitig mehr Menschen sich als nicht religiös verstehen. Diese Entwicklungen wirken sich direkt auf den Religionsunterricht aus, der heute in unterschiedlichen Organisationsformen stattfindet, etwa konfessionell kooperativ, dialogisch oder in Form eigenständiger islamischer Angebote.

Vor diesem Hintergrund wird interreligiöses Lernen als wichtige Chance verstanden. Begegnung zwischen verschiedenen religiösen Traditionen gilt als besonders wirksamer Zugang, um Verständnis, Respekt und Dialogfähigkeit zu fördern. Der Artikel stellt ein konkretes Unterrichtsmodell vor, das am Stadtgymnasium Dortmund erprobt wird und evangelische, katholische und islamische Lerngruppen miteinander verbindet.

Das Modell ist zweiphasig aufgebaut. In einer ersten Phase arbeiten die Lerngruppen getrennt nach ihrem jeweiligen Bekenntnis an denselben Themen, etwa an Gottesvorstellungen, Offenbarung oder Gebet. Dabei setzen sich die Lernenden mit den spezifischen Inhalten ihrer eigenen Tradition auseinander. In einer zweiten Phase werden die Gruppen neu gemischt, sodass Lernende verschiedener Religionen gemeinsam arbeiten. In diesen dialogischen Settings tauschen sie ihre Ergebnisse aus, vergleichen Perspektiven und diskutieren Unterschiede und Gemeinsamkeiten.

Didaktisch orientiert sich das Modell an der Komparativen Theologie sowie an Prinzipien wie Multiperspektivität und Perspektivenverschränkung. Ziel ist nicht nur das Erkennen von Gemeinsamkeiten, sondern auch das bewusste Wahrnehmen und Aushalten von Differenzen. Die Lernenden sollen ihre eigenen Positionen reflektieren und weiterentwickeln.

Ein wichtiger Bestandteil ist die produktorientierte Arbeit. Ergebnisse aus der konfessionellen Phase werden in Form von Präsentationen, Plakaten oder anderen Medien festgehalten und dienen als Grundlage für den Austausch in der dialogischen Phase. Zusätzlich werden die Lernenden mit Anforderungssituationen konfrontiert, in denen sie theologische Fragen beurteilen und eigene Standpunkte formulieren. Ein Beispiel dafür ist die Auseinandersetzung mit der Theodizee Problematik, bei der sie überlegen, ob und wie Glaube angesichts von Leid tragfähig sein kann.

Als zentrale Ziele des Modells werden die Vertiefung des Verständnisses der eigenen Religion, das Kennenlernen fremder religiöser Traditionen, die Entwicklung eines eigenen religiösen Standpunktes sowie die Förderung von Dialogfähigkeit und Handlungskompetenz genannt.

Abschließend werden Herausforderungen benannt. Dazu gehört insbesondere die notwendige enge Abstimmung zwischen Lehrkräften und Fachschaften sowie die Entwicklung gemeinsamer Curricula. Außerdem erfordert das Modell von Lehrkräften die Bereitschaft, sich intensiv mit anderen religiösen Traditionen auseinanderzusetzen. Erste Erfahrungen zeigen jedoch, dass das Modell großes Potenzial für einen zeitgemäßen Religionsunterricht besitzt.

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