Der Artikel untersucht die Frage, was religiöse Bildung ist, aus philosophischer Perspektive. Ausgangspunkt ist die Überlegung, dass scheinbar selbstverständliche Begriffe wie Bildung einer genaueren Reflexion bedürfen. In Anlehnung an Søren Kierkegaard wird betont, dass philosophisches Denken sich nicht auf neue Erkenntnisse beschränken soll, sondern gerade das vermeintlich Einfache hinterfragt.
Der Bildungsbegriff erscheint zunächst vertraut, erweist sich jedoch bei näherer Betrachtung als schwer definierbar. Häufig wird Bildung mit Wissen und Können gleichgesetzt, doch diese Sicht greift zu kurz. Der Artikel arbeitet daher eine Unterscheidung zwischen Ausbildung und Bildung heraus. Ausbildung meint das Erlernen konkreter Fähigkeiten, während Bildung einen Prozess beschreibt, in dem sich der Mensch selbst formt und zu einer bestimmten Haltung gegenüber der Welt gelangt.
Im Zentrum steht die Auffassung von Bildung als Selbstdenken. Bildung entsteht demnach nicht durch äußere Vermittlung, sondern durch eigene Reflexion. Sie beginnt mit Neugierde, führt zu Orientierung in der Welt und befähigt dazu, Wissen kritisch zu prüfen. Ein gebildeter Mensch hinterfragt Begründungen, erkennt Grenzen des Wissens und entwickelt eine Unabhängigkeit gegenüber Manipulation, Ideologien und unreflektierten Meinungen.
Diese Form von Bildung führt notwendig zu einer kritischen Auseinandersetzung mit Religion. Religiöse Überzeugungen werden als historisch und kulturell bedingt erkannt. Bildung relativiert daher absolute Wahrheitsansprüche von Religionen und versteht sie eher als Ausdruck menschlicher Lebensdeutung. Für Gläubige kann dies eine Erschütterung bedeuten, da der eigene Glaube als zufällig erscheint.
Der Autor kritisiert jedoch diese rein relativierende Sicht. Er argumentiert, dass Bildung sich nicht selbst aufheben darf, indem sie jede Verbindlichkeit infrage stellt. Es gebe moralische Überzeugungen, die nicht beliebig relativierbar sind. Daraus folgt, dass Bildung nicht nur im Selbstdenken bestehen kann, sondern auch eine Dimension benötigt, die über reines Wissen hinausgeht.
Diese Dimension sieht der Autor im Glauben. Bildung und Religion stehen daher nicht im Gegensatz, sondern sind miteinander verbunden. Beide zielen letztlich auf Wahrheit und verlangen eine Form von Verbindlichkeit, die nicht allein durch rationales Wissen begründet werden kann. Religiöse Bildung besteht somit in der Verbindung von kritischem Denken und Glauben.