Der Artikel erläutert, dass Kant häufig als Philosoph dargestellt wird, der mit dem traditionellen Gottesglauben gebrochen habe. Ausgangspunkt ist die bekannte Deutung, Kant habe die Existenz Gottes zerstört, weil er gezeigt habe, dass Gott nicht so bewiesen werden kann wie naturwissenschaftliche Tatsachen. Dennoch macht der Text deutlich, dass Gott in Kants Denken keineswegs verschwindet, sondern eine zentrale Rolle behält.
Zunächst wird Kants frühe Naturphilosophie dargestellt. Kant erklärt die Entstehung der Welt und des Kosmos aus physikalischen Kräften wie Anziehung und Abstoßung. Die Entwicklung der Welt soll nach seiner Auffassung aus Naturgesetzen verstanden werden und nicht durch ständige unmittelbare Eingriffe Gottes. Offen bleibt für ihn jedoch, woher die Materie selbst stammt. An diesem Punkt setzt Kant Gott als Ursprung der Welt an. Gott ist für ihn also nicht Teil der Natur, sondern der Urheber der Materie und der Kräfte, aus denen sich die Welt entwickelt.
Anschließend zeigt der Artikel, dass Kant sich intensiv mit der Frage beschäftigt, was überhaupt über das Dasein Gottes gesagt werden kann. In seiner Schrift über den einzig möglichen Beweisgrund betont er, dass Gott nicht streng bewiesen werden kann. Dennoch hält Kant es für notwendig, von Gottes Dasein überzeugt zu sein. Besonders wichtig ist dabei die Vorstellung der Allgenugsamkeit Gottes. Gott wird als Wesen beschrieben, das sich selbst genügt und nicht von der Welt abhängig ist. Gerade diese Unabhängigkeit macht seine Größe aus.
Der Artikel geht dann auf die Kritik der reinen Vernunft ein. Dort zeigt Kant, dass die klassische Metaphysik in Widersprüche gerät, wenn sie versucht, letzte Wahrheiten über Gott, Welt und Freiheit rein theoretisch zu beweisen. Trotzdem wird Gott nicht einfach verworfen. Vielmehr erscheint Gott als Idee, die über alles Empirische hinausweist und vom Menschen nicht durch Erfahrung erfasst werden kann. Damit wird die Gottesfrage nicht aufgehoben, sondern auf eine neue Grundlage gestellt.
Besonders wichtig ist im Text, dass Kant dem Glauben eine grundlegende Bedeutung gibt. Wissen allein reicht nach ihm nicht aus, um Moral, Würde und menschliche Lebensführung zu begründen. Der Mensch ist auch auf Achtung, Überzeugung, Vertrauen und Hoffnung angewiesen. In der Moralphilosophie wird dies deutlich, wenn Kant von der Achtung vor dem moralischen Gesetz spricht. Dieses Gefühl hat für ihn eine besondere Stellung, weil es nicht bloß aus Erfahrung stammt, sondern mit der Vernunft verbunden ist.
Von hier aus führt der Artikel zu Kants Theologie der Hoffnung. Gott wird nun nicht als Gegenstand des Wissens, sondern als notwendiges Postulat der praktischen Vernunft verstanden. Der Mensch kann nicht beweisen, dass Gott existiert, aber er braucht den Glauben an Gott, um sein moralisches Handeln, die Einheit seiner Person und den Zusammenhang zwischen Mensch und Welt sinnvoll denken zu können. Gott ermöglicht damit die Hoffnung, dass moralisches Handeln Bedeutung hat und dass Person und Welt nicht auseinanderfallen.
Schließlich verbindet der Artikel Kants Gottesverständnis mit seinem Menschenbild. Der Mensch kann seine Würde nur begreifen, wenn er sich zugleich als Teil der Menschheit versteht und andere Menschen niemals bloß als Mittel behandelt. Diese ethische Grundhaltung setzt ein Vertrauen in einen übergreifenden Sinnzusammenhang voraus. Darum endet der Text mit der These, dass Gott den Menschen im tiefsten Sinn erst zu einem Menschen macht, auch wenn dies nicht konfessionell, sondern philosophisch gedacht ist.