Der Artikel beschäftigt sich mit dem Thema Macht im Anschluss an Romano Guardini und fragt, wie Macht in Kirche, Gesellschaft und Theologie verstanden und verantwortet werden kann. Ausgangspunkt ist der Guardini Tag 2020, der von der Guardini Stiftung Berlin und der Katholischen Akademie in Bayern veranstaltet wurde. Achim Budde führt ein, dass Macht ein Grundphänomen menschlichen Daseins ist. Guardini versteht Macht als anthropologische Konstante, also als etwas, das zum Menschen gehört. Der Mensch übt Macht über Natur, Gesellschaft und sich selbst aus. Zugleich besteht immer die Gefahr, dass Macht missbraucht wird. Deshalb ist für Guardini nicht die Steigerung der Macht entscheidend, sondern ihre Bändigung und ihr rechter Gebrauch.
Markus Vogt entfaltet anschließend die Aktualität des Themas. In der Kirche zeigt sich Macht besonders im Synodalen Weg, etwa bei sexuellem Missbrauch, beim Verhältnis von Klerikern und Laien, bei Frauen in Ämtern und bei Fragen der Beteiligung. Gesellschaftlich wird Macht angesichts autoritärer Regime, politischer Gewalt und der Schwächung demokratischer Strukturen wichtig. Ökologisch zeigt sich Macht in der Herrschaft des Menschen über die Natur, die durch Klimawandel und Umweltzerstörung an ihre Grenzen kommt. Daraus ergibt sich die Frage, wie Macht so geordnet werden kann, dass der Mensch menschlich bleibt.
Der Artikel betont die Ambivalenz der Macht. Macht ist nicht nur negativ. Sie ermöglicht Handeln, Ordnung, Verantwortung und gesellschaftliches Zusammenleben. Zugleich kann sie zu Unterdrückung, Gewalt, Abhängigkeit und Missbrauch führen. Deshalb braucht es einen differenzierten Machtbegriff. Macht ist relational, sie entsteht zwischen Personen, Gruppen oder Institutionen. Sie bedeutet die Fähigkeit, Wirklichkeit zu gestalten und Ziele zu erreichen. Problematisch wird Macht dort, wo asymmetrische Beziehungen ausgenutzt werden.
Theologisch wird Macht im Verhältnis von Gott und Mensch betrachtet. Religion lebt vom Bewusstsein, von einer höheren Macht abhängig zu sein. Gottes Macht soll aber nicht als bloße Steigerung menschlicher Herrschaft verstanden werden. Im Christentum zeigt sich Gottes Macht besonders in der Ohnmacht Christi am Kreuz. Geistliche Macht ist daher nicht Herrschaft über Menschen, sondern Dienst an ihrer Freiheit, Selbstständigkeit und Liebesfähigkeit.
Der Artikel stellt verschiedene Machtbegriffe vor. Max Weber versteht Macht als Möglichkeit, den eigenen Willen auch gegen Widerstand durchzusetzen. Hannah Arendt dagegen sieht Macht als Ergebnis gemeinsamen Handelns und kommunikativer Verständigung. Diese Sicht ist für eine demokratische und kirchliche Erneuerung besonders wichtig, weil sie Macht nicht als Unterwerfung, sondern als gemeinsame Verantwortung versteht.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Macht der Machtlosen. Der Artikel zeigt, dass Feindesliebe und Gewaltlosigkeit nicht Schwäche bedeuten müssen. Beispiele wie Gandhi, Martin Luther King, die Geschwister Scholl, Václav Havel und Nelson Mandela zeigen, dass gewaltloser Widerstand eine starke politische und geistige Kraft sein kann. Christlich verstanden liegt darin eine besondere Form von Macht, die nicht zerstört, sondern auf Versöhnung, Wahrheit und Gerechtigkeit zielt.
Am Ende wird Subsidiarität als wichtiger Weg genannt, Macht verantwortlich zu ordnen. Macht soll nicht zentralistisch und paternalistisch ausgeübt werden, sondern Menschen zur Eigenverantwortung befähigen. Besonders in der katholischen Kirche fordert der Artikel mehr Partizipation, Dezentralisierung und Kontrolle von Macht. Amtsmacht soll als Dienst verstanden werden. Verantwortliche Macht braucht Demut, Selbstkritik und Strukturen, die Missbrauch verhindern.